Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Der Jüdische Student und seitdem nur noch unter einer großen Zentralidee gestanden, von hier aus ist es ihm zur unbedingt gebietenden sittlichen Pflicht geworden, sich seinen Platz zu suchen im gießen Neuwerden seines Volkes. Bis zum letzten Atemzug hat er seine Pflicht treu getan. Die tiefste Eigenheit seines Wesens ist so in ihm zum Leben geworden, die unbeirrbare Vornehmheit seines Charakters: Kleinliches und Eigennütziges war ihm fremd, das selbstzufriedene Nützlichkeitsbestreben gebot ihm nicht, auch das Leben des Alltags war ihm gebunden durch eherne Gesetze der Moral. Und was er selbst darbrachte, das hat er von jedem anderen in diesem Bunde gefordert, jeder einzelne sollte an seiner Stelle seine Pflicht tuh gegen das Ganze, sollte sich einfügen in die Gemeinschaft, sollte sich in einfacher, treuer Pflichterfüllung neben die Kameraden stellen — und so ein großer Bruderbund sie alle umschließen. So ist auch in Erich Rosenkranz' Wesen die große Schlichtheit, die untrennbare Begleiterin aller seelischen Vornehmheit, entbunden worden, die Einfachheit des Wesens, die jeden braven Kerl, mochte er sein, wer er wollte, wenn er treu und darlieh zur großen Sache stand, freudig aufnahm, einem jeden gerecht zu werden suchte, jedem seine Stelle im großen Ganzen zuzuweisen wußte. Und auf diesem Boden ist vor allem die treue Kameradschaft erwachsen, die er, ohne sich wegzuwerfen, in so reichem Maße, so vielen geschenkt hat Ja! Du warst unser aller Freund, Erich Rosenkranz, und wenn wir davon sprechen, da gibt es wohl keinen in diesem ganzen Kreise, dem nicht das Herz sich krampft, wenn er denkt, daß er nun nicht mehr zu Dir sich flüchten kann, mit den großen und mfft den kleinen Sorgen, daß der jetzt nicht mehr sein wird, an dem jeder bis zum jüngsten Fux einen stets freundlichen Berater und Helfer fand. Ob wir von Deinem Humor erfrischt am Biertisch zusammensaßen, ob Du Dein sonniges Heim uns <üfnetest, ob Du uns zu Hilfe eiltest, wenn wir im Kampfe Stenden, sei es im persönlichen, sei es im jüdischen Kampf — immer war es dasselbe Gefühl alles durchströmender Wärme! das wir empfanden, wenn wir mit Dir zusammen waren. Ja