Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Der Jüdische Student 35 daß er ihr Vorsitzender sein müßte. Und der ist er geblieben, als solcher ist er von uns gegangen. So hat er in seiner Person die Kontinuität der Entwicklung gewahrt und Viele gefährliche Erschütterungen unserm jungen Bunde ferngehalten oder wenigstens in ihrer Gefährlichkeit eingeschränkt, die sonst seinen Bestand schwer bedroht hätten. Wesentlich sein Verdienst ist es, daß sich so die starke Tradition ausbilden konnte, die als eine unerläßliche Grundlage der Organisation uns zu predigen er nicht müde wurde. Und wenn wir auch in dieser ernsten Stunde die Augen nicht davon verschließen wollen, daß vielleicht in nicht zu ferner Zeit eine jüngere Generation bestimmt war, ihn abzulösen — daß diese Jüngeren eine festgefügte Organisation mit einheitlicher Tradition übernehmen können, das verdanken sie wesentlich ihm, und ich weiß, sie bekennen sich in diesem Sinne unbedingt zu ihm. Worauf aber ist diese Organisation aufgebaut, welches ist der Inhalt dieser Tradition? Diese Frage ist an und für sich müßig in diesem Kreise. Sie aber beantworten heißt die Kraft nennen, die Erich Rosenkranz mit seinem Eintritt in den VJ.St.er~ Kreis ganz erfaßt und die tiefinnersten Eigenschaften seines Seins erweckend ihn von nun an allein bestimmt hat. Draußen im Schlachtenlärm, da werdet Ihr sie finden, diese Kraft, die den Einzelnen hinausführt über sein Ich und bis zur Aufhebung seines Daseins zurücktreten läßt hinter den Zwecken der Gemeinschaft, und dort bewährt es wieder einmal die Weltgeschichte, daß nur die Völker ihr Dasein gewinnen und ihren Platz behaupten können kn großen Weltenwerden, die ihre Söhne die überindividuelle Bedeutung alles Einzelseins, die unbedingte Hingabe an das Ganze gelehrt haben. Zum ersten Male seit dem Verluste unserer staatlichen Herrlichkeit haben wir, hat unser junger Kreis dieses Ideal wieder zum Moralprinzip jüdischer Seelen erhoben; das ist das, womit wir hineingreifen in die Gestaltung neuen jüdischen Volksdaseins, und es ist das, womit wir siegen werden. Uns allen gebietet dieses Ideal, und wir alle ringen darum, es immer stärker zu verwirklichen in unserm Einzelleben, — ganz darin gewurzelt wie nur wenige unter uns hat Erich Rosenkranz; von hier sind ihm die neuen starken Triebkräfte für sein Sein zugewachsen, von hier aus hat sich sein Leben gewendet