Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3537599-3537715-3537717--3465-3541291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
32 Der Jüdische Student "Liebsten gedenkt, die auf der Wahlstatt geblieben, Dein Name, Erich Rosenkranz, wird nie vergessen werden. — liebe Freunde! Nicht immer ist Erich Rosenkranz der gewes&n, als den ihn diese kleine Erinnerung kennzeichnet, und «ie ihr ihn alle fast allein kennt, der Mann, dem der Kampf, um cte Auferstehen des jüdischen Volkes Zentralpunkt seines Wesets und Erlebens war und der in dieser Hoffnung zum Ideal tätigen, kampffrohen Lebens gereift war. Wer meinen Augen steht noch ein anderer. Als ich ihn kennm lernte, war er ganz gefangen in ästhetischen Interessen, und ikh erinnere mich immer gern zweier kleiner, feinsinniger Feuilletons aus dieser Zeit, die er in der damaligen Zeitung der Freiem Studentenschaft aus Anlaß einiger Sophokles-Aufführungen, ich fpaube, in demselben Kreise, erscheinen ließ. Und er hatte den Wunsch, künstlerische Gestalten als Schauspieler selbst zu verküpern, darauf hat er sich neben seinem medizinischen Stuifem in ernster Arbeit vorbereitet, — heute, da wir sein Lebsi noch einmal überblicken, muß auch davon geredet werden — md nur der ernsthafte Widerstand seiner Eltern hat ihn von diesfi? Bahn abzubiegen vermocht. Noch lange Zeit später hat er b&weilen geschwankt, ob er damit recht entschieden, ob er .nicht dort zur ganzen Wesenserfüllung gekommen wäre. Nun wir schwanken keinen Moment, daß der Verzicht für ihn .Lebö^erhöhung gebracht hat, er wäre auf diesem Wege nicht der Mann geworden, als der er in uns und in denen, die nach .uns iommen, fortleben soll. Und doch wäre es falsch, nicht anzuerkennen, daß sich hier ein tiefer Untergrund seines Wesens offenbart, daß aus diesm Sehnen und Tasten ein entscheidender Grundzug seines" Seins spricht. Es ist ein Stück Humanismus, die tief innere .FreidUe, vom Vater her in ihm vererbt, am großen seelischen Erldtaisgut der Menschheit, und es ist andererseits der stark küisfferische Zug in ihm, der Wille nach Gestaltung, der ihn imma: durchglüht hat. Als er ganz in die Bahn jüdischen Tatmexsehentums gekommen war, hat er sich oft in starker Reaktion gegpai all diese Neigungen und Strebungen gewandt — und geraie unter seinem Einfluß hat derV. J. St. eine lange Zeit die Kanpfstellung gegen alles, was wir mit dem Worte Aestheteniurti höchst ungerecht bewerteten, fast als Programmpunkt auf-