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Der jüdische Student · 1915-07-09 · Heft 2 (9.7.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 2 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Der Judische Student 33 gefaßt — ja, er konnte in zynischer Ausgelassenheit und in einer gewissen kraftmeierischen Pose über ernstes Kunstwesen und Theatertum kräftig herfallen — seines Wesens Kern war das alles nicht, es war vielmehr ein vielleicht nötiger Kampf gegen eine starke Richtung seines Wesens. Als er aber dann sicher in sich und in seiner neuen Art geworden war, da ist er gern zu seinen Büchern zurückgekehrt, er las gern vor und sprach manch kluges Wort über Bühne und Literatur. Schließlich lag' ja doch in diesem Humanismus seine tiefe Menschlichkeit verankert, hier war der Nährboden für die sonnige Weihe, die über seinem Wesen lag und die ihn über uns alle, die kunstlosen, die amusischen Alltagskinder, heraushob. Absolut falsch aber wäre es nun, zu denken, daß unser Freund damals allem Jüdischen noch ferngestanden habe. Erich Rosenkranz ist, so lange wir ihn alle kennen, lange ehe er bei uns aktiv wurde, Zionist gewesen, eine starke Jüdischkeit hat von jeher in ihm gelegen. Wie sein Menschentum hat er auch sie von dem Manne ererbt, den auch wir stolz den unsern nennen, er hat sie aus seinem Vaterhause mitgebracht. Es ist dieses aus lebendigem Volkszusammenhang und trotzigem Selbstbewußtsein herausgewachsene unbewußte Nationaljudentum, in dem viele von uns dankbar gegen ihre Väter den Quell ihres bewußten Naiionaljudentums erblicken. Wenige haben es so kräftig in sich eingesogen wie er, den mit seinem Vater von Jugend auf ein seltsam kameradschaftliches Verhältnis verband; dieser Vater durfte in dem Sohne ein Stück Verwirklichung seiner selbst sehen. — Aktiv ist dieses Judentum ebensowenig wie sein Zionismus gewesen. Das sind sie erst bei uns im V. J. St. geworden. Was hat ihn zu uns gebracht? Ich glaube, ich verletze den Ernst dieser geweihten Stunde nicht, wenn ich erzähle, was er in heiteren Stunden in seiner oft so drolligen, seinem ganzen Wesen so tief entsprechenden humorvollen Art der Selbstverspottung darüber erzählt hat Er sei als Gast auf dem V. J. St. gewesen, da habe Zwirn als Präside plötzlich gesägt: „Das Wort hat unser verehrter Gast, Herr stud. med. Rosenkranz." Und da er in Verlegenheit gewesen sei, was er sagen solle, so sei ihm nichts besseres eingefallen, als zu erklären: „Ich melde mich aktiv." — Des Abends seiner Aktivmeldung erinnere ich

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