Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1914)
- Date
- 1914-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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. - ' *--£-^i^*^^M,^fcA* *.^***fr^^*t^-*#ti*& Der Jüdische Student > 330 Sicher finden sich bei diesen Einleitungen — die oft den größeren Teil der Aufsätze bilden — viele zutreffende und erkenntnisreiche Bemerkungen1). Und offenbar ist es auf diese Art von Darlegungen, die häufig auf die Kenntnis moderne; wissenschaftlicher Werke hinweisen, im wesentlichen zurückzuführen, wenn man Achad Haam den Denker der jüdischen Renaissance genannt hat und wenn diese Bezeichnung besonders beliebt geworden ist. Aber es darf doch nicht übersehen werden, dali seine Analogien oft rein äußerlicher Natur sind, und daß er in bedenklichem Maße dazu neigt, schematische Begriffsbildungen * und Entwicklungen zur Grundlage von Konstruktionen zu machen, die mit gründlicher Denkarbeit nichts zu tun haben und ihn häufig zu falschen Ergebnissen führen. Als Beispiel dieser Art> die auf dem Schall gewisser Worte ihre Systeme aufbaut, ohne die Dinge selbst zu betrachten, sei die Methodik der geistigen Bewegungen angeführt, die er im Aufsatz „Nicht dies ist der Weg" S.35ff. gibt. Wenn er hier die geistigen Bewegungen nach wenigen, ganz bestimmten Grundelementen einteilt und ihnen entsprechende Bevölkerungskreise gegenüberstellt, an die sie sich zu wenden hätten, so verläßt ihn in diesem Augenblick gänzlich sein soziologisches* und historisches Verständnis: dieses müßte ihm sagen, daß so schablonenhafte Entwicklungen nicht möglich sind. Der Gedanke liegt nahe, daß diese Art „wissenschaftlicher Betrachtungen" dem Wunsch entspringt, etwas mit ihnen zu beweisen. Dies wenigstens in einem so krassen Fall wie in dem letzterwähnten Aufsatz (S. 3Q), wo er die Zeit nach dem Untergang des jüdischen Staates als eine Zeit des gedeihenden Individualismus und der Schwächung des Gemeinschaftsgefühls schildert, während doch gerade hier die viel stärkere, der natürlichen staatlichen Grundlage entbehrende und doch wirkungsvollere religiöse Bindung der Gemeinschaft zum Siege gelangt. Oder wenn er in dem Aufsatz „Der Mensch drinnen" mit den Worten „Nationalismus" und „Universalismus" Begriffe bezeichnet, die damit nicht das mindeste zu tun haben, nämlich mit „Nationalismus" die äußere Gestaltung des Lebens und mit „Universalismus" den inneren Geist Diese Beispiele, die sich leicht vermehren lassen, sollten zeigen, daß die Lobpreisung Achad Haams als eines meisterhaften Denkers als übertrieben bezeichnet werden muß. Indessen ist ja für die Beurteilung Achad Hanois der selbst« ständige Inhalt seiner Aufsätze wesentlich wichtiger als seine Darstellungsform. Hierbei kann krh eine Seite seiner Wirkung nicht würdigen, die darauf beruht, daß er hebräisch schreibt Ich kann mir denken, daß diese Tatsache von außerordentlicher Bedeutung ist, schon deswegen, weil er die Früchte seiner Vertrautheit mit der europäischen Wissenschaft in die hebräische Literatur^eingeführt hat l) Ein besonders gelungenes Beispiel ist der Aufsatz „Ein halber Trost**.