Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1914)
- Date
- 1914-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Der Jüdische Stiideaf / 333 Das deutsche Judentum hat ein Jahrhundert gebraucht, um sich notdürftig an die Emanzipation zu gewöhnen. Ein Jahrhundert lang hat man alle Energien aufgewandt für d€n Kampf nach außen und für das Streben, die geistigen und moralischen Grundlagen zu schaffen, die diese einzigartige, anorganische Verschmelzung von Judentum und fremdnationaler Kultur rechtfertigen sollten. Man wollte charakterfest erscheinen, nichts aufgeben und doch diese angestrebte äußere Gleichheit erreichen. So ging man daran, das Judentum, das doch seinem ganzen Wesen nach ein Komplex von Kultur und Religion, von Gesetzgebung und sozialen Ideengängen war, zu einer schemenhaften Ideologie herabzudrücken. So wurde aus dem, was einst das ganze Geistes- und Gefühlsjeben einer Nation ausgemacht, was die ganze politische Existenz eines Volkes allein ausgefüllt hatte, ein bloßer ethischer Gedanke, der nicht weiter störte und uns auf diesem Gebiete sogar ein Plus den anderen Völkern gegenüber einbrachte. Man ging gewaltsam vor, und ganze Geschlechter hat man in dem fast unerschütterlichen Glauben erzogen, daß das eine .logische und organische Entwicklung sei, was doch nur aus rationellen Gründen bewußt geschaffen worden ist Die Juden von heute sind schon von Jugend auf in diesen künstlichen Gedankengängen aufgewachsen, sie sind in ein fertiges Gebäude gekommen und bemühen sich nun krampfhaft, dem Ansturm des neuerwachten jüdischen Nationalismus gegenüber ihrer* Standpunkt als den objektiv richtigen hinzustellen. Wir aber werden als Subjektivisten verschrien, die wir der natürlichen Ueberzeugung sind, daß für die Beurteilung eines Problems, das nationaler Betrachtung auch nur irgendwie unterliegen kann, nur der ein objektiver kompetenter Beurteiler ist, der vom Standpunkte seines Volkes aus die Dinge betrachtet Jüdische Dinge objektiv, d. h. richtig beurteilen kann nur der, der mit ganzem Herzen bei seinem Volke ist Nur der Nationaljude ist in jüdischen Dingen objektiv. So kommt es denn, daß der junge Jude der Neuzeit, derin rationalen und egozentrischen Anschauungen aufgewachsen ist, eine innere Revolution erlebt, wenn er eines Tages sich des Zusammenhanges mit seinem Volke, bewußt wird. Er wird der Typ eines, neuen Juden. Es wirdihm Mar, daß der Nationalismus seine Wurzeln hat im tiefsten Sein des Menschen. Der