Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1914)
- Date
- 1914-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Der jüdische Student neuerwachte Gedanke an sein Volk berührt die verborgensten, unzugänglichsten Schichten der Seele, Er zwingt ihn, die Tiefen seines Wesens aufzurütteln, Klarheit in sein Chaos zu bringen und neue Zusammenhänge statt der alten zu suchen. Er fühlt sich gedrängt, die neue Erkenntnis einzuordnen in das SyStem seines Seelenlebens und sie in Beziehung zu bringen zu den anderen tiefsten Erkenntnissen, die schon zu Ende gedacht oder noch als Probleme in seinem Bewußtsein schlummern. Er wird dazu gebracht auf Qrund seines Nationalismus, von neuem Stellung zu nehmen auch zu allgemein-menschlichen Fragen sozialer, psychologischer und kultureller Natur. So wird der National] ud£ ein anderer Mensch, und Schritt für Schritt erobert er sich neues Land für seine Erkenntnisse. Er bekommt offene Augen für die Not seines Volkes und gewinnt auch immer mehr Liebe für die, die gleicher Anschauung sind wie er, für die, die ebenso wie er aus dem Wust von angelernten Anschauungen sich ihre Objektivität gerettet haben. Und dann, wenn das Chaos von neuen Erkenntnissen zur Ruhe gekommen ist, dann hat er auch die Grundlage geschaffen, um sich organisch zu einer festen Persönlichkeit zu entwickeln. In ihm ist dann der Stolz, daß er die Stimmen in seiner Brust nicht hat übertönen lassen, und die überquellende Freude, daß seipe Individualitat nicht erstickt worden ist unter der dumpfen Decke, die das Leben über seine Seele gebreitet hat. So ist der B.J.C., der nur Nationaljuden in seinen Reihen duldet, eine Pflegestätte höchster Persönlichkeitskultur gewordeh. Er ist bemüht/alle Schlacken unedler und unfreier Anschauungen von den deinen abzustreifen^ Und er hat es ja nicht schwer. Immer und überall sind ja die Akademiker die Fülfrer der Völker gewesen. Immer haben sich gerade in ihnen die geistigen und sittlichen Kräfte eines Volkes am meisten ausgeprägt. Darum ist der B. Jl C keine Studentenorganisation im landläufigen Sinne. Es gibt so viele Korporationen, die nur dazu dienen, einem jungen jüdischen Studenten die Zeit seines Studiums möglichst angenehm zu machen. Es gibt sogar auch jüdische Jenden z"verbindungen, allerdings mit einer Tendenz, die, um äußere Konflikte zu vermeiden, lieber die inneren mit in Kauf nimmt und sie ungelöst läßt, mit einer Tendenz, die darauf zugeschnitten scheint, den Oberflächlichen zu befriedigen