Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1914)
- Date
- 1914-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 323 sirengen müssen, um in der Karenzzeit, die man ihm noch gelassen hat, seine Lebensfähigkeit zu erweisen. Der Antrag des B.V.Oberschlesien, nachdem sich Bundesbrüder auf Anweisung des Präsidiums in kleinen Orten niederlassen müssen, ist mit Recht abgelehnt worden. Es ist vom Uebel, undurchführbare Anträge anzunehmen. Der Antrag ist aber auch, so bestechend er auf den ersten Blick sein mag, durchaus zweifelhafter Natur. Es kann nicht bestritten werden, daß die Niederlassung geistig regsamer Akademiker an kleinen Orten in weiten Gegenden Deutschlands nichts anderes bedeutet als 'das geistige Begräbnis dieser Leute. Immerhin ist diese ganze Frage für uns noch längst nicht geklärt. Erwähnenswert ist schließlich noch, daß die Rechte der Alt herren schaft auf dem K. T. nicht erweitert worden sind. Es ist in der Tat ein Mangel an Erziehung, wenn dieselben Leute, die als aktive und inaktive Burschen die Autorität des B. C. nicht hoch genug stellen konnten, sofort nach ihrer A. H.-ierung das Schwergewicht zu gim-ten der Aitherrenschaft und zu Ungunsten des korporativen BiMes verschieben wollen. Es ist erfreulich, daß das Präsidium diesen Bestrebungen Widerstand entgegensetzt. — o o Ich habe mich bemüht, ein Bild der Verhandlungen des Königsberger K. T. zu geben. Sie waren von gutem V.J. St.-er- Geiste getragen, sie zeigten eine Selbstverständlichkeit und Sicherheit in jüdischen und zionistischen Dingen, die im B. J. C. neu ist. Man übertrug nicht, wie es früher oft genug geschah, alle wichtigen Dinge den Kommissionen, sondern nahm frisch und mutig selbst die Verantwortung auf sich; im Interesse der Einigung und Reinigung scheute man vor einschneidenden Maßnahmen nicht zurück, man erledigte alles, was man begann, sachlich und eingehend. In der Technikinnsangelegenheit hätte man beispielsweise in früheren Jahren wahrscheinlich eine heftige Tendenzdebatte gehabt, man hätte sich begeistert, aber kein Mensch wäre darangegangen, nun wirklich sofort etwas zu tun. Die#frühere Art lag .bleicht auf dem Wege der Entwicklung, ich will sie deshalb nicht tadeln, aber wir sind in diesen Dingen in erfreulichem Fortschritt begriffen. Noch eine andere Entwicklung hat sich auf diesem K. T. gezeigt. Zweifellos sind die einzelnen Vereine im Begriffe, korporativer zu werden. Die Mitglieder der Vereine hängen ungleich mehr an ihren Stammvereinen als früher, die Zugehörigkeit zum B. J. C. wird heute erst vermittelt durch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten V. J. St. Das mag früher formell auch so gewesen sein, aber die Angehörigen der älteren Generationen fühlen sich doch immer mir als B. J. C.-er, nie als Münehener, Berliner, Freiburger usw. V. J. St.-er, sie hatten für ihre Stammvereine sehr wenig übrig (namentlich wenig