Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1914)
- Date
- 1914-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
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317 unser Ansehen in der Studentenschaft und in der Bürgerschaft erhöhen, wenn wir in die Waffenringe hereinkommen. Wir sind aber auch durchaus darauf gefaßt, daß wir etwa später aus diesen Ringen wieder herausgedrängt werden. Viele prophezeien auch für Deutschland ein Waidhofen. Wir werden dann unsere Gegner um so eher dazu zwingen können, offen ihren Antisemitismus und dessen Betätigung zu bekennen, und auch dieses Bekenntnis wäre für uns durchaus wertvoll. Der Wert der Satisfaktion für die äußere und innere Erziehung der Bundesbrüder ist erst in letzter Zeit voll erkannt worden. Ist die Satisfaktion erst einmal durchgeführt — und es ist Aufgabe der Vereine, dies so schnell wie möglich zu bewirken —, so sind wohl schmähliche Vorgänge, wie wir sie in den letzten Semestern leider erlebt haben, nicht mehr zu erwarten. Wie das Betonen des unbedingten Nationaljudentums uns erst den nötigen Rückhalt, das völlige Gleichgewicht gibt, so soll das Bewußtsein, imbedingt reagieren zu mü v>eu, unsern Leuten die Sicherheit und [:e>:;gkeit des äul\.;\ u Auftretens zu geben, die dann wieder auf die Li /iehung zu e; m innerlich gefestigten /Menschen fördernd einwirkt. Auf dem K. T. hat sich eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Erziehung der V. J.St.-er zur Ehrenhaftigkeit gezeigt. Ueberall i\t diese Unzufriedenheit zum Ausdruck gekommen, überall sind Beispiele und rehler genannt worden. Besonders scharf ist das leichtfertige und unzuverlässige Verhalten der Bundesbrüder in Geldangelegenheiten gerügt worden. Diese Mißstimmung hat in einer Resolution ihren Niederschlag gefunden, in der auf die Mißstände hingewiesen wird und die Vereine zu energischen Maßnahmen aufgefordert werden. Als Beispiele seien hier weiter erwähnt: der neuerdings blühende Klatsch über Bundesbrüder, die Weitergabe verzerrter Darstellungen über Vorfälle und Personen ohne Prüfung des Sachverhalts, die Verbreitung von Nachrichten über Bundesbrüder ohne die geringste Abteilung an diese u. dgl. Es ist ferner mit Recht scharfe Kritik an den ehrenrätiieheu Urteilen der letzten Zeit geübt und verlangt worden, daß Ehrenrichter nicht solche Leute werden, die sonst noch kein Amt haben, sondern zuverlässige und in Fragen der Ehrenhaftigkeit streng gesinnte V. J.St.-er. Wir sind uns auf dem K. T. wohl dessen bewußt gewesen, daß die Zustände in anderen Korporationen und Organisationen nicht besser sind. Aber bei uns müssen sie besser sein! Die Züchtung von Ziomsten nutzt uns nichts, wenn es uns nicht gelingt, Charaktere zu erziehen. Als ein Mittel, diese innere Erziehungsarbeit zu leisten, hat der K.T. auch die Satisfaktion angesehen, t louorigkeit und Anstand sind Dinge, die anerzogen werden können. Sind nun die Buiulesbrüder durch strenge Aufsicht der Konvente gezwungen, sich in den zahllosen Dingen, die sich