Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (20.11.1913)
- Date
- 1913-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Juosche Student 249 „Shakespeare und der deutscfe Geist", wo mit reichem Pathos der Aufstieg, den der Geist ebes Volkes vom dunklen Ahnen zur glanzvollen Erfüllung erlelt hat, vorbildlich für uns geschildert wird, oder jetzt die Verhmdfungen des zweiten deutschen Soziologentages über die Na&nalitätenprobleme, die bei allem Theoretisieren auf diese widrige Frage von vielen Seiten Licht werfen. Die Liste dieser Büchs-, aus denen unsere Terminologie mehr, als wir ahnen, schöpft, kann beliebig erweitert werden. Unser „Milieu" Von Isaac S. Schwabachasr (Maccr.baca I. A. B.), Hamburg Die folgenden Zeilen woikn nicht Anlaß zu neuen abstrakten Theoretisierereien über die Fra^e des jüdischen Milieus bieten, sondern das Thema lediglich lon einem anderen, nüchterneren Standpunkt aus betrachten, als es bisher der Fall war. Es ist festgestellt worden, daß wir einmal ein jüdisches Milieu für uns selbst brauchen^ als zweites fehlt uns eine nachhaltigere Rückwirkung, als wir sie heute haben, auf die „weiteren Kreise", und drittens müssen v,ir uns Garantien dafür schaffen, daß unsere Kinder dereinst das Nationaljudentum als eine Selbstverständlichkeit empfinde! und es nicht, wie die meisten von uns, sich erst erkämpfen Hussen. Ich will versuchen, einen Weg zu zeigen, auf dem wir der Verwirklichung dieser drei Forderungen näher kommen kinnen. Wir wollen im folgenden unter jüdischem A\ilieu weniger jüdische Atmosphäre, jüdischen Geist oder einen anderen nebifosen Begriff verstehen, sondern höchst konkret: Umgebung, Ffeim, Wohnung, also unsere vier Wände! Eigentlich ist es doch merkwürdig, wie wenig unsere neu gewonnene Lebensanschauung instande gewesen ist, auf unsere Lebensordnung umgestaltend einzuwirken; das zeigt sich schon darin, daß sich unsere Häuser so wenig oder gar nicht von denen der Assimilanten unterscheiden, im Gegensatz zu denen der Orthodoxen, in welchen uns allenthalben Dokumente religiös-nationaler Lebenshalting entgegentreten. Bei den Zionisten muß wohl die ganzf Palästinaliebe und der ganze Palästinakultus im Innern schlimmem; denn während sie diese Momente in ihren Argumentationen für den Zionismus täglich laut verkünden, verspüren sie ncht die Notwendigkeit, in ihrer allerengsten Urrv^bung Zeugnfe davon abzulegen, daß ihnen Liebe zu Palästina wirklich snpfundenes Bedürfnis ist und nicht lediglich Schlagwort uncLigitationsmittel. Was sind denn heute die spezifisch zionistischer Kennzeichen eines zionistischen