Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (20.11.1913)
- Date
- 1913-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537704-3537711--3051-3541157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 247 brüder, Referendare und Medizinalpraktikanten z. B., mit den Bundesbrüdern ihrer Fakultät regelmäßig über Einteilung ihres Studienplanes an Hand des Wochenprogramms sprechen und ihnen dabei über Art und Weise ihrer Arbeit Winke geben, wie sich auch durch Fragen über den Grad ihrer Kenntnisse auf dem Laufenden halten. Diese älteren Bundesbrüder könnten sich dann ihrerseits mit Wünschen wegen des Wochenprogramms an den Erstchargierten wenden. Man möge nun nicht mit dem Einwand kommen, daß eine derartige Kontrolle mit der Auffassung vom freien Arbeiten und Studium besonders bei Leuten, die froh sind, dem Schulzwang entronnen zu sein, kollidiere. Es ist vielmehr unbedingt nötig, daii jeder V.J. St.-er von vornherein sich an eine Dis/inünierung bei seinem Studium gewöhnt, da sonst die Unterstützungsarbeit im Berufsleben unmöglich gemacht wird. Es muß verhütet werden, daß z. B. Anstaltsärzte erklären, daß sie in leitenden Stellen nie bei sich Bundesbrüder als Medizinal- Praktikanten und Assistenzärzte anstellen würden. Momentan kann ihnen das kein Mensch verübeln. Denn es ist an sich kein Vergnügen, wenn ein Oberarzt vor seinem Personal sich mit „Du" anreden lassen muß, es wird jedoch unerträglich, \ve- "i der Untergebene sich bundesbrüderliche Vertraulichkeiten und Subordinationslosigkeiten herausnimmt. Fälle, die sich schon oft zugetragen haben. Wenn ein V. J. St.-er also damit rechnet, einst durch einen älteren Bundesbruder Anstellung und Förderung zu erfahren, so muß er daran gewöhnt sein, wie im Vereinsleben, sich auch im Studium dem Erfahrenen unterzuordnen. Dies ihm möglich zu machen, wäre daher eine der Hauptaufgaben der Aelteren, die ihm bei der Arbeitseinteilung behülüich sind. Denn im geeigneten Moment den Mund zu halten, um im Leben und Lebensberufe nicht anzustoßen, lernten unsere Jungens bisher nicht zur Genüge in den beiden Fuxensemestern. Wenn sie das aber gelernt haben, werden wir ein gutes Stück Weges weiter sein zur Erreichung unseres Zieles — einer wirtschaftlichen Machtstellung im deutschen Judentum. Wenn wir eine disziplinierte Masse bilden, in der jeder gewillt ist, den anderen zu stützen und ihm zu helfen, so wird jedem geholfen werden. Nötig aber ist nur dazu, dnß wir, bei welcher Arbeit wir auch sind, diese ernst nehmen, •_;-r.z ausfüllen und nie vergessen, daß B.J.C. und Lebensberuf zwei Grü:' sind, von denen jede durch Arbeit für die andere gefördert;i.