Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (20.11.1913)
- Date
- 1913-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537704-3537711--3047-3541153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 243 Woher kam das? Welches waren die Ursachen für das Scheitern einer Aktion, deren Notwendigkeit sich doch eigentlich niemand verschloß? Die Erklärung liegt nicht so fern, wenn wir bedenken, auf welche Schwierigkeiten und Mißerfolge z. B. die Organisierung der Keilarbeit stieß. Auch hier war seit jeher die Erkenntnis allgemein verbreitet, daß unsere Existenz mit ihr stehe und falle, sie deshalb eine Organisierung finden müsse, die die Ausdehnung unserer Macht verbürge. Und wie man in der Erkenntnis von der Notwendigkeit, uns wirtschaftlich zu organisieren, als erstes ein Arbeitsamt für B.J. C.-er begründete und von ihm nun die Schaffung unserer wirtschaftlichen Machtstellung erwartete, so überließ man im anderen Falle einem dazu ins Leben gerufenen Keilressort die Arbeit und Sorge um den Nachwuchs des B.J. C. Daß dies Keilressort anfangs so schlecht funktionierte wie das Arbeitsamt, ist kein Wunder, denn für einen Staat, der sich kriegerisch betätigen will, genügt es nicht, einen Geueralstab zu schaffen, wenn seine Bürger unter diesem nicht Soldaten werden wollen. Deshalb fing man an, für das Keilressort und unter ihm die ßundesbrüder derart zu beschäftigen, daß heute jeder gute B.J. C.-er jeden Jüngling über 16 Jahre automatisch als Objekt seiner Keiltätigkeit ansieht, mag er seine Bekanntschaft bei einer Ferientour, bei einer Hochzeit, Barmizwah oder beim Flirt mit seinen Schwestern machen. Der Gedanke: „Den mußt Du keilen", bei der Vorstellung eines Pennälers ist uns so in Fleisch und Blut übergegangen, wie z. B. das Reagieren auf antisemitische Beleidigungen. Und nur hierdurch, nur dadurch, daß jetzt jeder einzelne B.J. C.-er, dem es ernst ist um unsere Sache, stets und ständig es für seine persönliche Aufgabe hält, Keilarbeit zu leisten, wo er nur kann, ist es verhütet worden, daß das Keilressort schließlich dasselbe Schicksal erlitt wie das Arbeitsamt. . Da aber trotz des Scheiterns des letzteren die Erkenntnis, wie sehr uns eine organisierte Unterstützung in der Berufsarbeit nottut, nicht geschwunden, sondern gewachsen ist, so ist noch zu hoffen, daß wir unter Vermeidung des alten Fehlers, einer Kommission die Sorge für alles zu überlassen, auch hier denselben Erfolg erzielen wie bei der Keilarbeit. Es kommt nur darauf an, daß sich jeder von uns täglich und stündlich bei der Arbeit für seinen Beruf und der Tätigkeit in ihm bewußt ist, daß er nicht nur für sich, sondern für u n s e r e Idee einen Lebensberuf hat. Und hier haben auch die Alten Herren, die aus verschiedensten Umständen sonst nicht überall für uns sich mit ihrer ganzen Person einsetzen können und wollen, die Gelegenheit, mitzuarbeiten, teilzunehmen an der Erfüllung einer Aufgabe, die ich nicht anstehe ebenso wichtig zu nennen wie die Organisierung der Keilarbeit. Nur wenn