Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (20.11.1913)
- Date
- 1913-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 241 jahrelanger Beobachtung aufs entschiedenste, daß die Vertiefung des jüdischen Geistes im B. J. C. erheblich auf den Einfluß aus diesen Kreisen zurückzuführen sei. Man überlege doch einmal, ob denn wirklich in den einzelnen Bundesvereinen gerade die Söhne dieser Familien die praeceptores judaici sind. Nicht die Zuleitung des in diesen Kreisen konservierten jüdischen Geistes, der eben vielfach etwas ganz anderes ist als das, was wir darunter verstehen, hat den B.J.C. jüdischer gemacht, sondern der starke gemeinsame Wille zum Jüdischerwerden; dieser aber stammt aus einer ganz anderen Quelle als aus dem heimatlichen Milieu einzelner Bundesbrüder; die Lust und Fähigkeit aber, Träger dieses Willens zu sein, ist nach meinen Erfahrungen stets sehr unabhängig von der Herkunft gewesen. Die Einführung der schwarzen Ringe macht jetzt das unumwundene Bekenntnis zur unbedingten Satisfaktion ob uns •das nun augenehm ist oder nicht — zur unabweisbaren Notwendigkeit. Im anderen Fa'le, dessen könnt ihr sicher sein, wird man von Seiten unserer guten jüdischen Freunde dafür sorgen, daß, besonders außerhalb der Universitätsstädte, wohin wir mit unserer Aufklärung nicht reichen, etwa in folgender Form die Sache bekannt werden wird: „An den Universitäten haben sich jetzt alle studentischen Korporationen in der Fechtfrage geeinigt und einen großen Bund gebildet; jede halbwegs anständige Korporation ist darin; nur einige ganz üble Blasen sind nicht drin; darunter auch der V. J. St/4 Wie zuträglich das unserer gesellschaftlichen Stellung sein wird, könnt ihr euch selbst sagen. Ich möchte mal sehen, wieviel Jungen aus «ur einigermaßen guten Familien dann geneigt sein werden, zu den Opfern, die sie als V. J. St.-er ohnedies wegen der Tendenz bringen müssen, noch das Opfer einer, sagen wir mal nicht ganz erstklassigen gesellschaftlichen Position auf sich zu nehmen. Ein solches Opfer müßten wir fordern, wenn Ueberzeugung und Tendenz es gebieten; es aber zu verlangen und durch dieses Verlangen das Wachstum des B.J.C. schwer zu gefährden, wenn Ueberzeugung und Tendenz in Wirklichkeit längst mit der Sache fertig geworden sind, nur weil man sich immer noch von einigen wenigen eine gänzlich unbegründete Angst suggerieren läßt, ist unsinnig. Solltet ihr aber die Gewinnung dieser Kreise für weniger bedeutsam halten — ich halte es für eine unserer wichtigsten Aufgaben, dort eine Bresche zu legen —, nun, dann streicht aus unserem Programm den Passus, daß wir auf weiteste Kreise im Sinne unseres Programms eine Rückwirkung ausüben wollen.