Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (20.11.1913)
- Date
- 1913-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Der Jüdische Student die aber bezüglich des Zweikampfes gerade entgegengesetzt fühlen wie diejenigen, die jetzt als Gegner der unbedingten Satisfaktion* auftreten: hier scheint sich also die allein echte jüdische Psyche zu spalten; zum mindesten ist es doch etwas anspruchsvoll, zu verlangen, daß wir nun alle gerade für euer, der Gegauer, Empfinden als das allein und wahre jüdische optieren sollen. Ich möchte auch davor warnen, zum Beweise dafür, daß der Zweikampf an sich unjüdisch sei, etwa die Verbote mancher orthodoxen Rabbiner heranzuziehen. Dann müßte ich daran erinnern, daß orthodoxe Rabonim in Palästina einen wütenden Kampf gegen den Gebrauch des Hebräischen als Unterrichtssprache fähren, und ich würde die geschätzten Bundesbrüder fragen missen, ob etwa auch Hebräisch sprechen jüdischem Geiste widerstrebe. Also unsere studentischen Mensuren sind beileibe nichts Jüdisches* gewiß nicht, aber ebenso wenig etwas Unjüdisches. Sie sind ganz einfach für euch das Mittel, und zwar ein kraftfrohes, jujgendfrisches und ausgezeichnet erzieherisches Mittel, euch eurer Haut zu wehren; und ihr nehmt es für euch in Anspruch, weil es für euch nützlich ist und weil es das landesübliche ist, wie ihr etwa in England boxen würdet. Und nun sollt ihr endlich einmal damit ein Ende machen, für eure Gegnerschaft, efe: ihr schon anders begründen müßt, euer Judentum, oder was ihr dafür haltet, verantwortlich zu machen. Und weil wir nun diesem Zwange, gegebenenfalls anzutreten, dar längst bei uns besteht, — denn der Grundsatz: „antreten ©der fliegen" ist seit Jahren unbestritten im B.J.C. —, weil wir diesem Zwange nun auch nach außen hin die offizielle Abstempelung geben wollen, werden Bundesbrüder in hellen Haufen — Ii o 1 d h e i m und andere haben's uns ja gesagt — aus dem B.J.C. austreten. Nun, es ist natürlich gar keine Rede davon, äsß deshalb auch nur eine irgendwie erhebliche Anzahl von V. J. St-ern Austrittsschmerzen bekommen würde; wir wollen dieses neine Beispiel tönender Uebertreibung, gegen die man allmählich bei uns etwas abgestumpft wird, zu den übrigen legen; aber wenn wirklich der eine oder andere deshalb gehen wollte, elwa weil er dem Häuptling seines geistigen Clans die Nibelungentreue halten will oder weil er es sich sehr hübsch denkt, foiUan-das Bew!sein, eine Persönlichkeit zu sein, wie einen dunklen iMantcl um sich schlagen zu können, wie wird er seinen Austritt begründen? Ich hoffe, durch meine Ausführungen denen, die durch die geplante Aenderung den jüdischen Inhalt des B.J.C. schwer gefährdet sehen, wenigstens die Arbeit etwas erschwert zu haben; aber nehmen wir einmal an, es hätte alles nichts geholfen, und sie gingen — aus jüdischen Gewissensbedenken —, dann hätten wir folgendes zu ver-