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Der jüdische Student · 1913-11-20 · Heft 7 (20.11.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 7 (20.11.1913)
Date
1913-11-20
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Jüdische Student 237 Israel: dort wurde der Ingenieur Treitel, ein K. Z. V. - er, von einem unserer braven Schomrim gefragt, wie man doch fechten lernen könne; es wäre doch eigentlich ganz gut, wenn die jungen Leutestreitigkeiten untereinander auf diese Weise zum Austrage brächten. Ich denke nun freilich nicht daran, etwa hieraus, ebensowenig wie aus der Cliargiertenpartie im Terebinthentale, zu schließen, daß der Zweikampf nun gar etwas besonders Jüdisches sei — das von der eigenen blassen Unsicherheit diktierte ewige angstvolle Frage- und Anfwortspiel: „unjüdisch oder jüdisch?'1 fängt ohnedies an, etwas langweilig zu werden —, aber man wird mir zugeben: ein in Berlin oder sonstwo auf einem deutschen Gymnasium herangewachsener junger Mann, der vielleicht nicht einen Satz hebräisch sprechen kann und der einen in Palästina gewachsenen echten Sohn des Volkes beiehrt, daß ein seiner einfachen schlichten Bauernseele aufsteigendes Vorlangen ganz unjüdisch, nämlich eigentlich christlich - germanischer Herkunft sei, dieses Bild ist von einem fast grotesken Humor. Nun gibt es sicher Leute unter uns, die gegenüber dem Zweikampfe wirklich ein Gefühl instinktiver Abneigung wie vor etwas Fremdartigem haben, und da sie ganz richtig empfinden, daß sie dieses Gefühl aus dem Milieu ihrer Jugend mitgebracht haben, so glauben sie es in ihrer jüdischen Persönlichkeit begründet. Nun, aus einem jüdischen Milieu stammt diese Abneigung — bei manchen Bundesbrüdern wenigstens — allerdings, mit ihrer jüdischen Psyche aber hat sie nicht das mindeste zu tun. Geht einmal einige Generationen in der Erinnerung zurück: damals waren unsere Vorfahren noch von ganz anderen Dingen steif und fest überzeugt, daß sie jüdischer Art widerstrebten; so mancher Junge, der damals darauf verfallen wäre, etwa turnen oder schwimmen zu wollen, hätte von unseren Großvätern oder Urgroßvätern zu hören bekommen, daß das goijische Sachen seien und nichts für ein jüdisches Kind. Und dort, wo heute noch dasselbe Ghetto besteht, ist's heute noch geradeso. Mit demjudentum hat dieseAbneigung nichts zu tun, sie ist euch lediglich anerzogen und stammt aus jener Zeit, da den Juden jedwede körperliche Betätigung fremd geworden und um so mehr ein Greuel war, je mehr Gefahr damit verbunden war. Zweifellos wird hier auch vielfach etwas als jüdisches Seelenprodukt auf den Markt gebracht, was einfach die Frucht der einstigen Lektüre des väterlichen liberalen Leibblattes ist. Uebrigens gibt es auch unter uns zahlreiche Bundesbrüder, die gerade aus jenem Milieu stammen, in dem das richtige jüdische Empfinden am ehesten konserviert geblieben sein soll,

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