Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (30.9.1913)
- Date
- 1913-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student ervrahlte Volk, weil wir diejenigen waren, die am treusten den Maialgesetzen anhingen. Aus unseren höchsten Pflichten erwuchs einst unser hoher Adel. Und jetzt? Hatte sie nicht recM: die mir neulich sagte: „Die Juden sind ein Volk von Wucherern und Gaunern?" Nun, ich will ihr antworten: „Noch stedlen sie im Schmutz des Ghetto, aber sie sollen rein werden. Ich will sie zuchtigen und lehren, bis sie wieder den rechten Plak gefunden haben und ihren alten Adel. Ich will und muß es. Es ist ein schweres Werk . . Er blieb stehen und stampfte den Fuß verbissen auf die Erck Und an einen Baum gelehnt, den Kopf gesenkt und mit dem Stock achtlos in den Boden stochernd, fuhr er fort: „Das ist unmöglich, lächerlich! Ich Einzelner gegen Millbnen! — Doch ich bin nicht allein,' meine Freunde, alle B.J„C.-er müssen mit Diese Arbeit ist die wichtigste, die dringendste." Aber ist denn im B.J. C. alles so, wie es sein muß? Gibt es licht auch bei uns unreine Seelen? O, erste Aufgabe ist es, den B. J. C. zu reinigen. Er soll mir die neue Nobilitas sein, der erste jüdische Adel. Ich will Euch Fuxenstunde geben, Jungens! Ich will so lange zu Euch reden, bis Ihr gelernt hab$, daß die Reinheit die höchste Tugend ist. Es gibt so viele, die mit mir arbeiten werden. Erst den B.J. C.: das ist schwer, aber nicht unmöglich. Dann das ganze Volk. Es wird schon werfen, es wird schon werden!" Und im Drange der Gedanken richtete er sich straff auf uni hieb mit dem Stock durch die Luft. Der aber sauste gegen den Baum und zersplitterte. Er sah sich den Stumpf in seiner RedÜen forschend an. Dann warf er ihn lächelnd in den See. Dort aber hatte der Abend tausend Farben entfacht. Wunderhenilch stand drüben der gedunkelte Wald gegen den gelben HirrmeL Da öffneten sich seine Augen weit. Er vergaß Kampt und Zukunft und stand träumend da. Sein linker Arm stützte sich leicht gegen den Baum. Sein rechter aber hob sich ein werig. Und während sein gelöster Körper ganz sacht in leichteste Fechterstellung ging, bewegte sich träumend die rechte Faust, als hielte sie da irgend eine Waffe, wohl ein französisches Florett mit der nervös vibrierenden eleganten Klings.