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Der jüdische Student · 1913-09-30 · Heft 6 (30.9.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 6 (30.9.1913)
Date
1913-09-30
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Jüdische Student die ihm eine große Zukunft im Judentum prophezeiten. ... Aber das ist jetzt für uns ganz belanglos. Ein junger Baum, der in weißer Blütenpracht dastand, ist .gefallen: Wer denkt da an die vernichtete Ernte! * * Er ging an einem Nachmitiag im frühen Herbst zur Stadt hinaus. Der Himmel war klar und hoch und blau. Die Bäume rührten sich nicht. Der weite, frische See schimmerte. Es war einer jener hellen Tage noch nah dem Sommer, in deren Schönheit man noch nichts vom Sterben ahnt, wo alles voll reifen Lebens scheint. Er ging den See entlang. Auf seinem blonden, wohlgeordneten Scheitel erglänzte das Licht. In seiner rechten Hand schwang absichtslos der Stock. Er sprach: „Irgendwie gleicht mir der Herbst. Ich liebe diese stille, vornehme Ruhe. Nur daß ich noch so jung bin und doch so sicher meines Lebens, daß ich mich jenem Reifen ebenbürtig fühle. Bin ich wirklich so sicher? Woher weiß ich denn, was gut und böse ist? Es ist in mir, mir eingeschrieben: das ist klar. Woher kam es doch? Mir sagte einer: Gut und böse sind Gesetze. Gesetze haben aber einen Gesetzgeber, sonst müssen wir unsere Gesetze doch wenigstens ableiten können. Es muß eine Vernunft in jedem unserer Gesetze sein. Diese Vernunft für die höchsten Gesetze, für gut und böse, muß irgend ein höchstes Axiom sein. Noch braucht jede Moral ir-ren Gott.u Hat er recht? Wir haben ja keinen Gott. Darum sagte er auch: „Weil unsere Götter sterben, darum stirbt auch unsere Moral. Unsere heutige Moral ist ein Haufen alter Gesetze, ohne Zusammenhang, ohne Sinn." Aber das ist Unsinn. Gewiß haben wir eine Moral, ein Gut und Böse. Schon das ist Unsinn, daß die Moral keine Gesetzgeber hat. Ich bin Gesetzgeber und alle, die gleich mir sicher wissen, was gut und böse ist. Nicht Hinz und Kunz, aber ich und die anderen Besten. Es ist eine selbstverständliche Anmaßung, in diesem Falle sich den Besten gleichzusetzen! Ein ganz unfruchtbarer Gedanke, daß es keine Moral geben soll. Moral ist notwendige Voraussetzung des Zusammenlebens und der Nation. Die Nation ist nichts wert, die nicht auf uralter Moral fußt und in ihr lebt. Wir Juden waren das aus-

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