Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (30.9.1913)
- Date
- 1913-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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214 Der Jüdische Student ein. Mit Stauten blättern wir in den hinterlassenen Heften, in denen er seire Oedanken sammelte. Langatmige, zerlegende Arbeiten aus wählendem Erkenntnisdrang. Er drang ins Innerste jedes Buches, ©b philosophischen oder literarischen Inhalts. Er erkannte den Wert jedes Künstlers, seine Kraft. Denn in ilm selbst war Kraft. Er war ein starker Mensch, fähig, das Ldten zu fassen, Herr seines Ich, Feind aller weichlichen Hingabt an Stimmungen. So schrieb mir einer seiner Freunde: „Stärke wir das Axiom für seine Lebensbefrachtung. Sie festzuhalten, bestimmte immer mehr den Rhythmus seines seelischen Lehms. Und alles wurde davon durchdrungen. Weil er nur in dem Ringen nach klarer, kühler Stärke den Gerichten des Lebens gegenüber sich selbst fand, strebte er danach, sein Gefühlsleben feei zu halten von aller Romantik, aller Weichheit und allem stü-raischen Sichhingeben." In ihm \vm Kraft und in ihm war auch der Ernst, das tiefe Gefühl der Veantwortlichkeit allem gegenüber, was ihn berührte. Ernsthrfteste Kraft war jede Offenbarung seines Lebens. Darum war die Form seines Lebens: Würde. Versteht mich recht: Er war m seinem Auftreten schlicht und einfach, jede Pose war ihm verhaßt. Jedes Pathos zerschellte an seinem immerwachen Iktellekt. Die Form, die er sich einmal erwählt hatte, behielt er bei. Jede Lebensäußerung war durchdacht und erst einmal für gut befunden. Darum war ihm keine unwichtig, und er wünscht seine Lebensformen respektiert, wie er die jedes anderen achtete. Und weil seine äußeren Formen mit seinem Innerste innig verknüpft waren, wirkte er bei aller Einfachheit und Zurückhaltung so selbstverständlich sicher. Er liebte diese Art und pflegte sie durch fortschreitende Verinner- Hebung und Famulierung seines äußeren Lebens. Selbst sein Verkehr mit seiren Freunden war bei aller Herzlichkeit gesellschaftlich exakt. Er selbst nuhtfertigte diese selbstbewußte Art durch seine moralische HöhE Er fühlte in sich die Möglichkeit, ein absolut sicheres Urteil;n allen moralischen Dingen zu erlangen. Darin sah er sehen höchsten Besitz. Wie diese Fähigkeit in ihm am vollkommensten ausgebildet war, so stellte er sie auch über alle andtnen. Als er sich einst die Frage nach dem