Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (30.9.1913)
- Date
- 1913-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 213 kein dunkles Grabmonument sein. Uns Lebenden seien sie ein Denkmal seines Lebens. So wie er lebte, möchte ich ihn Euch zeigen, die vielen einzelnen Zuge zu einer Einheit formen. Ihr, die Ihr später diese Blätter lest, die Ihr ihn niemals saht: Kommt mir entgegen! Laßt ihn aus dem, was ich Euch sagen kann, in Euch erstehen. Er war es wert, war einer unserer Besten. Ihm treu zu sein, ziemt und ehrt Euch. Uns anderen, die das große Glück hatten, ihn zu kennen, uns lebt er immer. Wir gingen an schönen Nachmittagen mit ihm durch Wälder und Wiesen, er barhäuptig in unserer Mitte, sein Auge weit offen für alle Weite, alle Farbe, alle Gestalt. Er erhob sich auf dem Konvent langsam und einfach, sprach ruhig voll verhaltener Erregung. Wir saßen zusammen beim Wein im Keller bei Lutter und Wegener. Er war still und doch so heiter fröhlich, so losgelöst vom Tage. Er brauchte sich nicht zu betäuben, um leicht und frei zu sein. Denn — daß ich Euch zu Anfang gleich das Letzte sage — dieser Mensch glaubte an sich. Er liebte seine Liebe und seinen Haß, sein ja und Nein. Klimmend von Stufe zu Stufe, bejahte er jede Stufe. Und wie er sich bejahte, so auch alle anderen; verhaßt waren ihm nur die Banalen, die kleinen Zufriedenen. Er glaubte an ihren Sieg, dieser Liebenswürdige, mehr als sie selbst. So mußte er sich Freunde erringen, viele Freunde, so wurde er Mittelpunkt eines Kreises, weil alle zu ihm kamen und durch ihn sich trafen. Nicht, daß er sich ihnen gegenüber als den Ueberlegenen aufgespielt oder nur je gefühlt hätte. Jedem der Freunde konnte er etwas geben, noch außer seiner lieben Gegenwart. Aber er war auch jedem irgendwie unterlegen. Doch, niemals eifersüchtig, fühlte er im Freunde dort nicht den Rivalen, sondern eine Ergänzung. Er rang mit jedem, um ihm nachzukommen. Er arbeitete an sich stets und ständig. Und er kam vorwärts. Er war klug. Sein scharfer Verstand erfaßte unbeirrbar das Wesentliche in jeder Erscheinung, erkannte blitzschnell Verwandtschaft und Gegensatz. Er war geschlossen, fest abgerundet. Sein Ja war immer ja, sein Nein immer Nein, und beide entstammten ihm zutiefst. Alles, was er wußte — er wußte viel — war geordnet. Und was er lernte, ordnete sich