Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Der Jüdische Student tätigen, kamen wir nach, indem wir unter Leitung eines Universitätsturnlehrers und Bbrs. Hochschild, die auch das Turnen leiteten, einen Nachmittag wöchentlich auf den Neckarwiesen Leichtathletik trieben. Kaum der Erwähnung bedarf es, daß recht eifrig Tennis gespielt wurde, daß wir offiziell schwammen und auch dem Rudersport mit großer Begeisterung huldigten. Eine ganze Anzahl von Bundesbrüdern hatte sich auch zu einer Reitriege vereinigt. Unter Führung ortskundiger Bundesbrüder machten wir herrliche Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung Heidelbergs, Ausflüge, die durch Disziplin und Gesang den Touren der Wandervögel glichen. Die Beziehungen zu unserem Verkehrskreise, die auch vorher sehr rege und lebendig waren, knüpften wir noch fester durch zwei wohlgelungene Veranstaltungen, die allen Teilnehmern in allerbester Erinnerung bleiben werden. Unser erstes großes Sommerfest feierten wir auf der Ruine Schwalbennest, eine Stunde oberhalb Heidelbergs. Im Burghof, mit herrlicher Aussicht auf das ganze Neckartal, verbrachten wir den Nachmittag. Hoch vom Turm des alten Räubernestes grüßte unsere Fahne weit hinaus ins Land. Gemeinsames Abendbrot und Tanz beendete die schöne Veranstaltung. Am späten Abend fuhren wir in larnpion-geschmückten Booten den Neckar hinunter nach Heidelberg. An der Bootsauf fahrt anläßlich der Schloßbeleuchtung nahmen wir zweimal teil. Das erste Mal vereinigte uns noch am Abend eine schöne Bowlenkneipe mit Damen, das zweite Mal fanden wir uns nachher in einer Gesellschaft von etwa 150 Personen zu einer Weinkneipe mit anschließendem Tanz im „Schwarzen Schiff' zusammen. Alle diese Veranstaltungen hatten neben dem Zweck, uns allen die Erinnerung an ein prächtiges Semester zu verschaffen, * den Erfolg, den V.J.St. Heidelberg in einem geeigneten Gesellschaftskreis zu verankern. Auch an anderen, nicht immer frohen Veranlassungen, an die Öffentlichkeit, zu treten, hat es nicht gefehlt. Wir chargierten einige Male bei den häufigen Universitätsfeiern und chargierten ferner bei der Beerdigung dreier jüdischer Kommilitonen, an denen die ganze Studentenschaft teilnahm. Bei zweien, die nicht inkorporiert waren, übernahm der V J. St. die Ehrenwache am Grabe, und hielt, ebenso wie der Vertreter des Studentenausschusses, einen kurzen Nachruf. Zu erwähnen bleibt ferner, daß wir in einer Anzahl von etwa zwanzig Mann das Stiftungsfest unseres Kartellvereins Freiburg besuchten, das eine machtvolle Demonstration des V. J. St.-ergedankens in Süddeutschland darstellte. Auch wir empfingen häufig Besuch von Bundesbrüdern aus Straßburg, Bonn, Freiburg und Marburg.