Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 181 „ „Nein, jetzt sollst Du hören." " Und Daniel erzählte die Geschichte seines Brunnens: „ „Ich bin vor vierzig Jahren hierher gekommen, aus Amerika. Von Rußland bin ich nach Amerika gegangen, als ich noch fast ein Kind war. Aber es war auch dort keine Heimat. Auch in den dichten Straßen, wo nur die Unseren wohnten, war kein Zuhause. Wir waren frei und lebten ohne Zwang, aber es war doch wieder ein Ghetto. So bin ich hierher gekommen, mit mir viele andere. Wir suchten neues Land und ein neues Leben, und wir haben diesen Boden gekauft, den ganzen Boden, auf dem das Dorf hier steht. Ich hatte viel Geld, hatte es redlich verdient in harter Arbeit. Man kann drüben Geld verdienen, es liegt dort auf der Straße. Aber nicht die Zufriedenheit. Es bleibt etwas zurück, das kein Geld verscheuchen kann. Die anderen hatten nichts oder nur wenig. Arme Teufel waren dabei, die drüben nicht leben und nicht sterben konnten. Wir haben gemeinsam den Boden gekauft und aufgeteilt, und ich habe das meiste Geld dafür gegeben. Ich habe auch das meiste Land bekommen und das schönste. Wir waren alle voller Hoffnung, und als wir uns organisieren wollten — Du weißt, wenn Menschen zusammenleben wollen, müssen sie eine Ordnung haben unter sich — da wollten die anderen, daß alle gleich seien in dem neuen Gemeinwesen, daß alle gleiche Rechte und Pflichten hätten. Und ich hatte doch das meiste Geld gegeben, und die anderen mußten mir doch abzahlen. Ich hätte kaufen können ohne sie, aber nicht sie ohne mich. Dafür wollte ich der erste unter ihnen sein, begehrte, daß sie auf mich hören sollten, weil ich ihnen geholfen hatte. Doch sie widersetzten sich. Sie sagten, es wäre meine Pflicht gewesen zu helfen, und hätte ich kaufen können ohne sie, so wäre ich doch ohne sie haltlos und schutzlos. Da habe ich mich von ihnen getrennt. Hier draußen hart an der Grenze habe ich mein Haus gebaut. Sie kamen, um mir beim Bau zu helfen. Aber ich habe sie fortgejagt und habe fremde Arbeiter genommen. Die fremden Arbeiter haben mich bestohlen, ich geriet hart mit ihnen zusammen, und als einer mir drohte, griff ich zur Waffe. Die anderen kamen zu mir, warnten mich vor der Blutrache und rieten mir zur Flucht. Aber ich wollte von dem Boden nicht weichen, wollte die teuer erkämpfte Heimat nicht wieder aufgeben. Mit Geld habe ich den Streit geschlichtet, aber, es hat viel, viel gekostet. Von da an hatte ich unter dem Haß der Fremden zu leiden. Meine Scheuern haben sie in Brand gesteckt, meine Gärten verwüstet, meine Saat gestohlen. Die anderen kamen und wollten mir helfen gegen die Rachsucht der Fremden. Doch ich wollte ihre Hilfe nicht, wollte ihnen nicht zu Dank verpflichtet sein, sondern wollte unabhängig von allen sein und über ihnen stehen. Mein Stolz ließ es jetzt nicht mehr zu, mich in die Gesamtheit einzufügen. Ich sah, daß ich als Einzelner nutzlos mein Vermögen verschwendete, aber auch das bewog mich nicht. Die Ernte meiner Felder war schlecht. Sie brachten mir Saat, die sie ausgeprobt hatten, aber ich ließ das Feld lieber brach liegen. Dann bauten sie eine große Wasseranlage! An der tiefsten Stelle des Ortes, wo jetzt die große Tränke ist, gruben sie und weil die Stelle sehr tief lag, stießen sie bald auf Wasser. Es war ein gutes gesundes Wasser. Sie