Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 179 manches gelernt — z. B. die geringere Bewertung der rohen, technisch nicht gezügelten Körperkraft für das Rudern — und tingeduldig sehnen wir das nächste Jahr herbei, wo wir an unseren Gegnern Revanche nehmen können. Die Entwicklung der Ruderabteilung in diesem Jahre zeigt bisher einen erfreulichen Aufstieg und alles spricht dafür, daß dieser Aufstieg weiter anhalten wird. Im Anschluß an die Regatta wurde auf unsere Anregung ein Verband der jüdischen Rudervereine Deutschlands gegründet; an seiner Spitze steht ein Ausschuß, der vor allem für die Abhaltung der für das Gedeihen der Ruderabteilungen überaus wichtigen jährlichen Regatta zu sorgen hat und die jüdische Ruderei in ihrem Kampfe gegen die sogen, paritätischen Klubs wirksam unterstützen wird. Ferner haben wir beschlossen, uns einen richtiggehenden Rennvierer anzuschaffen, wie sie bei den Rennen in allen großen Regatten benutzt w erden. In unserem Streben, der Ruderabteilung einen allgemein bekannten und allgemein geachteten Namen bei den großen arischen, judenreinen Klubs zu verschaffen und uns den paritätischen Klubs überlegen zu zeigen, bedeutet das wieder einen großen Schritt vorwärts. Der Brunnen Eine Erzählung aus Palästina Von cand. jur. Julius Katzenstein (V.J.St. Berlin), Berlin Der Tag war hell und heiter. Eine kleine weiße Wolke zog am Himmel, getrieben von dem leichten Seewind, der die Wellen gegen die Klippen warf, daß sie in weichem, weißem Schaum zerflossen. Die Dünen lagen im Sonnenbrand und glichen selber Wellen, langen, sanften Wellen, die erstarrt sind in der Schönheit ihrer Bewegung. Der Abend fiel langsam. Die Sonne war plötzlich verschwunden, aber es war doch noch Tag ringsum. Nur nahm alles in der klaren Luft eine andere Färbung an, wurde dunkler, farbenglühender und stand groß in seltsamen Silhouetten gegen den Hintergrund, gegen den hellen Himmel. Ich ging langsam in das Dorf zurück. Abendstimmung war überall Ich schritt durch die Bojaren, durch das dichte grüne Laub und die weißen duftenden Blüten, die die Luft ringsum so würzig machten, durch die reifen Früchte, die durch das Grün und durch die Blüten golden schimmerten. Ich ging durch die langen Reihen der schlanken Mandelbäume, die schwer an ihrer grünen Frucht trugen, durch den üppig aufgeschossenen Hafer, der mir schon bis zum Knie reichte, und fühlte mich mehr und mehr verwachsen mit diesem Boden, den mein Volk bebaut, ich fühlte die Kraft, die aus der .Erde aufsteigt und die Menschen hält und sie nicht mehr losläßt, bis sie ihn