Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Der Jüdische Student und Bild geschildert, um den ZaudeYnden zum Eintritt in die Ruderabteilung zu bewegen. Nicht etwa aus Eigennutz taten sie dies, sondern in seinem eigenen Interesse, um ihn herauszureißen aus der rauchigen Kaffeehausluft und der schwülen, sinnlichen Atmosphäre des Tanzbodens, um ihn in die gesund- und freimachende Natur zu führen: das nennen wir körperliche Regenerationsarbeit am jüdischen Volke. Ich rufe den noch immer Zagenden nur zu: Wer einmal in seinem Leben eine solche Wanderfahrt im Ruderboot mitgemacht hat im Kreise von fröhlichen, gleichgesinnten Kameraden, wer einmal ein frugales Mittagsmahl gegessen, das er sich selbst im grünen Walde zubereitet hat, wer die Romantik eines Nachtlagers im Freien oder den Humor eines Massenquartiers in der Scheune miterlebt hat, der wird für immer die jüdische Ruderei in guter Erinnerung haben und sie aktiv ausüben, wenn die äußeren Verhältnisse es nur irgendwie gestatten. Nach den Pfingstferien begann die Arbeit für die zweite jüdische Ruderregatta, die Anfang Juli stattfinden sollte. Die gemütlichen Touren- und Kaffeefahrten wurden bereitwilligst aufgegeben, und ein scharfes Training, bei dem jeder Muskel aufs Beste ausgebildet wird, setzte ein. Wir wollten all* unseren Junioren, die nur halbwegs geeignet erschienen, die Vorteile eines zielbewußten planmäßigen Trainings für die Entwicklung des Körpers und in rudertechnischer Beziehung zu teil werden lassen und trainierten anfänglich 2 Boote für das Juniorrennen. Die Mannschaften für die Seniorenrennen konnten wir leider im Mai noch nicht zusammensetzen, da der größte Teil unserer Senioren gerade in diesem Semester durch berufliche Arbeiten stark in Anspruch genommen war. Erst im Juni stand der Trainingsbetrieb in voller Höhe. Ein Eifer und eine Beteiligung, wie sie nie früher in der Ruderabteilung zu finden waren, wie sie aber von jetzt ab wohl immer durch die ständige Einrichtung der Regatten herrschen werden, wurde von Senioren und Junioren in gleicher Weise bekundet. 4—5 mal in der Woche wurde gerudert, wurden die Boote von ihren Instruktoren ausgebildet. Mit dem Erfolg der Regatta, die am 13. Juli auf dem idyllisch gelegenen Krossinsee stattfand, können wir zufrieden sein. Zwar haben wir von den 3 Rennen nur eins — allerdings das am sehnlichsten begehrte und am heißesten umstrittene — den 1. Seniorenvierer, gewonnen. Aber ich meine — ohne daß ich das Verdienst der vorzüglich trainierten Ivria-Mannschaften schmälern will —: der Ausgang der beiden anderen Rennen wäre vielleicht doch ein anderer gewesen, wenn wir nicht durch einige widrige Zufälligkeiten (wie das Krankwerden des vorzüglichen Schlagmannes im Juniorvierer) benachteiligt worden wären. Wir sind durch die b&iden Mißerfolge keineswegs entmutigt worden. Oerade aus diesen Niederlagen haben wir