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Der jüdische Student · 1913-08-20 · Heft 5 (20.8.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (20.8.1913)
Date
1913-08-20
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
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176 Der Jüdische Student erkannt habe, nur deshalb Abstand nehme, weil der größte Teil der davon Betroffenen Juden seien. Als unser Vertreter darauf fragte, ob etwa schon irgendwelche Beschlüsse vom Kultusministerium in der Frage gefaßt seien, verneinte dies der Geheimrat und erklärte, die Angelegenheit befinde sich noch „im Stadium der Erwägungen". Bbr. Hirsch wies nunmehr darauf hin, daß die Zurückweisung der Ausländer auch vom Standpunkte des Deutschen Reichs aus nicht vorteilhaft sei, da die Ausländer, die in Deutschland ihre Ausbildung genossen hätten, später, wenn sie in Rußland als Aerzte tätig seien, ihre reichen Patienten in die deutschen Bäder und zu den deutschen Autoritäten zu senden pflegten. Dieser Gesichtspunkt schien Geheimrat Tilmann durchaus einzuleuchten. Unser Vertreter unterbreitete ihm darauf folgenden Vorschlag, dessen Anregung von Herrn Dr. Weißenberg in Berlin ausgegangen ist: Für den Fall, daß beschränkende Maßnahmen durchaus nicht zu vermeiden seien, sollten von den an fast allen Universitäten zahlreich vorhandenen Privatdozenten und Assistenten Parallel- oder Ferienkurse für Ausländer abgehalten werden, deren Absolvierung dem Besuch der ordentlichen Kurse in jeder Beziehung gleichzustellen sei. Hierdurch würden sich Beschränkungen in der Zulassung zur Immatrikulation vermeiden lassen, es werde genügen, wenn die Ausländer lediglich hinsichtlich der Zulassung zu den ordentlichen Kursen beschränkt und so in ihrer Mehrzahl zur Teilnahme an dem Parallelkurse genötigt würden. Dieser Vorschlag erschien Herrn Geheimrat Tilmann sehr beachtenswert, und er versprach, ihn auf seine Durchführbarkeit hin zu prüfen. Unser Vertreter überreichte zum Schluß ein Memorandum, in dem die Hauptgesichtspunkte seiner Ausführungen schriftlich niedergelegt waren. Herr Geheimrat Tilmann versprach deren Berücksichtigung. Bbr. Hirsch hat nach seiner Unterredung mit dem Dezernenten den Eindruck, daß beschränkende Maßnahmen gegen die Ausländer kommen werden, daß insbesondere die Einführung der Prozentnorm uns nicht erspart bleiben wird. Angesichts dieser Sachlage gewinnt der Weißenbergsche Vorschlag eine erhöhte Bedeutung; nach Ansicht erfahrener Aerzte ist seine technische Durchführbarkeit durchaus gegeben. Durch die Einführung der Parallelkurse würde es gelingen, wenigstens das schlimmste Verhängnis von unseren Brüdern aus Rußland abzuwenden.

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