Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 175 Der gegenwärtige Stand der Ausländerfrage Eine Unterredung im preußischen Kultusministerium Im Februarheft des 9. Jahrganges dieser Zeitschrift ist dargelegt, welchen Standpunkt der B.J. C. in der sog. Ausländerfrage einnimmt. Dort ist auseinandergesetzt, daß die deutsche Klinikerbewegung — wenigstens in ihrer Wirkung — sich vorwiegend gegen die russischen Juden richtet, denen die berüchtigte Prozentnorm das Studium in Rußland unmöglich macht. Inzwischen ist nun die Lage der ausländischen — d. h. der jüdischrussischen — Studenten an den deutschen Universitäten immer kritischer geworden; immer lauter werden die Forderungen der Kliniker nach beschränkenden Maßnahmen gegen die Ausländer, und die einzelnen Universitätsbehörden werden mehr und mehr geneigt, diesen Forderungen nachzugeben. Das Präsidium des B. J. C, das der Ausländerfrage fortdauernd seine Aufmerksamkeit gewidmet und auch die einzelnen Kartellvereine ersucht hat, ihm ständig über die Klinikerbewegung an den einzelnen Universitäten zu berichten, beauftragte daher sein Mitglied, Rechtsanwalt Dr. Salli Hirsch, im Kultusminisferium um eine Audienz nachzusuchen. Bbr. Hirsch wurde von dem für die Ausländerfrage zuständigen Dezernenten, dem Geh. Ober-Regierungsrat Tilmann empfangen und hatte Gelegenheit, den Standpunkt darzulegen, den der B. J. C, die größte jüdische Studentenorganisation in Deutschland, und mit ihm alle aufrechten Juden in der Ausländerfrage einnehmen. Unser Vertreter wies darauf hin, daß es sich bei den „Ausländern" um russische Juden handele, denen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum durch eine raffiniert abgestufte Prozentnorm das Studium in Rußland unmöglich gemacht sei; er legte ferner dar, was die Möglichkeit des Studiums für die russischen Juden bedeute, wie eigentlich nur durch das Studium ein sozialer, kultureller und auch politischer (Wohnungsrecht!) Aufstieg der russischen Juden möglich sei. Her Geheimrat Tilmann, der diesen Ausführungen — wie sich insbesondere auch aus Zwischenfragen ergab — mit Interesse gefolgt war, betonte mehrmals, daß er kein Antisemit sei und sich bei der Bearbeitung dieser Angelegenheit nur von rein sachlichen Erwägungen leiten lasse, aber er fügte hinzu, man könne nicht verlangen, daß die preußische Regierung von Maßnahmen, die sie als notwendig