Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Der Jüdische Student Denn es gibt für den Problematiker einen Weg zur Ueberwindung seiner Problematik. Freilich, zum Naiven, Primären, Elementaren hat er keinen Zugang. Dieses wird nur besessen, nicht erworben. Er kann seine innere Entzweiung nicht aufheben. Aber er kann sich über sie hinaus schwingen, in jene Geeintheit der Seelenkräfte, die fähig* wird, Erleuchtung zu empfangen; Erleuchtung, die Werk und Tat lehrt. Keines Problems Dunkel ist so tief, daß die Erleuchtung es nicht durchstrahlen könnte. Aber um sie zu empfangen, muß der Problematiker so einheitlich werden, wie der Elementaraktive von vornherein ist. So ist der Elementaraktive sein Vorbild. Dies ist die höchste Form der Erziehung: einheitliches Dasein. * # * Wir werden von einem großen Toten erzogen. Durch sein einheitliches Dasein, das uns jetzt lebendiger als je ist. Es gibt aber keine Befreiung des Judentums, keinen Weg zu einem neuen Judenvolke, ohne Ueberwindung der Problematik. So allein können die schöpferischen Instinkte losgemacht werden. Denn die Problematik ist die Hemmung des Schöpferischen. Spinoza ist das größte Beispiel, wie sich der Jude seiner Problematik entwinden muß, zur echten Erkenntnis, das ist zur Einheit und zur Erleuchtung zu kommen. Die Erde Palästinas wird uns nicht umwandeln, wenn wir uns nicht selbst umwandeln. Sie wird nur festigen, sichern, vollenden können. Es gibt aber eine Umwandlung durch den Willen. Das haben alle schöpferischen Juden gewußt. Spinoza ist das große Vorbild für das denkende Leben. Aber das, worauf es uns heutigen Juden, die wir in der Krisis, in der Entscheidung, im Uebergang stehen, vor allem ankommt, ist nicht das denkende, sondern das handelnde Leben. Theodor Herzl ist ein Führer zum handelnden Leben.