Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 173 Herzl und Wir von Martin B u b e r Dem Elementaraktiven ist seine Innerlichkeit als eine Fülle von Impulsen gegeben, deren er nur inne wird, um sie auszuwirken. Dem Elementaraktiven ist das Dasein als eine Fülle von Wirklichkeit gegeben, die ihn umbildet, die aber ungeduldig darauf wartet, von ihm umgebildet zu werden. Dem Problematiker ist seine Innerlichkeit als eine Fülle von Fragen gegeben, die von ihm eine Antwort heischen, und nur im Absoluten, nie im Persönlichen eine endgültige Antwort erlangen können. Dem Problematiken ist das Dasein als eine Fülle von Widersprüchen gegeben, die von ihm gelöst werden wollen, und nur im Metaphysischen, nie im Empirischen eine endgültige Lösung zulassen. Des Elementaraktiven Trieb zu handeln ist so stark, daß es ihn hindert, in reiner Kraft zu erkennen. Des Problematikers Trieb zu erkennen ist so stark, daß es ihn hindert, in reiner Kraft zu handeln. Der Elementaraktive wird sich seines Judentums bewußt: da erwacht in ihm der Wille, den Juden zu helfen, denen er sich nun zugehörig fühlt, sie dahin zu bringen, wo ihnen Freiheit und Sicherheit zuteil werden kann. Nun tut er, was ihm sein Wille eingibt. Etwas anderes als das sieht er nicht Der Problematiker wird sich seines Judentums bewußt: da umfängt ihn der ungeheuere Widerspruch, das ungeheuere Paradox dieser Existenz „Jude". Er sieht alles, alle Erwartung, alle Schuld, alle innere Hemmung. Ehe er handeln kann, muß er erst tausend Verzweiflungen niederringen. Der Elementaraktive wandelt im Lichte, auch wenn er irrt. Der Problematiker leidet im Dunkel, auch wenn er erkennt. Der Irrtum des einen ist zuweilen fruchtbarer als die Erkenntnis des andern. # * * Dies ist die vorbildliche Größe Theodor Herzls, daß er ein reiner und starker Elementaraktiver war. Vorbildlich nenne ich sie, weil sie eine Aufgabe stellt, eine der größten Aufgaben, die die Menschenseele kennt: in sich zur Einheit zu gelangen.