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Der jüdische Student · 1913-08-20 · Heft 5 (20.8.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (20.8.1913)
Date
1913-08-20
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Der Jüdische Student 169 Achad Haams schwankende Stellung zum Zionismus ist aus diesem Punkte heraus zu erklären*). Ach, aber wir sind des Geistes so reichlich müde und freuen uns, wo in irgendeinem Winkel ein Stückchen jüdischen Körpergefühls, jüdischen Auges und jüdischer Hand sich einen Ausdruck sucht. Darum liegt uns an Palästina, weil jedes Leben dort, auch das „unjüdischste", ein sinnlich greifbares Judentum ist, darum erfüllt es uns mit Mut, wenn auch das Leben des Exils von schöpferischer Phantasie ergriffen ist. 6. Es mag zwecklos erscheinen, in der Weise, wie es auf diesen Blättern geschehen ist, die geschichtliche Tatsache eines neuen Judentums scheinbar auf einen Grund zurückzuführen: ist es doch dem oberflächlichsten Betrachter klar, daß auch Zusammenhänge ganz anderer Art, soziale, politische, intellektuelle,, religiöse, sittliche, jene Tatsache mit haben erzeugen helfen. Genug, wenn wir uns bewußt werden, wie stark jener eine Zug unsere Welt bestimmt hat. Das gilt sogar für die bedeutsamste Tatsache der jüdischen Gegenwart, für die Flut nationalen Lebens, die uns heute trägt. In einer Kultur der Aufklärung wäre sie nie entstanden: es ist ja keineswegs so, als ob die Nation da war, und nur vom Verstände ihre Anerkennung heischte. Als vor hundert Jahren in der Napoleonischen Epoche Deutschlands zuerst wieder in Europa eine nationale Bewegung im heutigen Sinne des Wortes erwachte, da war nichts als ein zerstückeltes Land vorhanden, Elemente gemeinsamen geistigen Lebens und die Ohnmacht einer kosmopolitischen, einheitsgrauen Weltanschauung. Die Vernunft hätte sich damit schon irgendwie abgefunden, die Not vielleicht eine rein staatliche Neubildung erzwungen, aber die Phantasie bedurfte der Farbe, des geschlossenes Bildes, der in sich ruhenden Kraft, der Gemeinwille entstand und — schuf die Nation. Das ist der tiefe Sinn der idealistischen Philosophie, daß die gestaltende Idee irgendwie vorhanden ist, unabhängig von ihrer Verwirklichung. Es ist eines der bösesten und schädlichsten Mißverständnisse, dem wir gerade in zionistischen Aufsätzen zuweilen begegnen, als ob die Stimmung, die das Wort „national" begleitet, einfach auf die Tatsache der gemeinsamen Abstammung zurückzuführen sei. Dann freilich hätte Herrmann Cohen vielleicht recht, wenn er die Nation als ein bloßes Gebilde der Natur den Gebilden des Geistes, dem Rechte, dem Staate gegenüberstellt. Vom Blutszusammenhang mag das gelten, aber der ist eben noch nicht notwendig eine nationale Erscheinung. *) Ich denke hier nicht gerade an seine Lehre vom „Geistigen Zentrum"; hier ist das Wort „Geist" nur in der deutschen Sprache mißverständlich, und man träfe den hebräischen Ausdruck ebenso gut, wenn man von einem inneren Zentrum spräche.

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