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Der jüdische Student · 1913-08-20 · Heft 5 (20.8.1913) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 5 (20.8.1913)
Date
1913-08-20
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der Jüdische Student 153 Nach einem zweistündigen Aufenthalt in Brindisi erreichten wir schließlich Alexandrien, wo uns das lärmende Leben des Orients in seiner bunten Mannigfaltigkeit in Empfang nahm. Vom Dampfer gingen wir gradenwegs zum Bahnhof und langten gegen Abend in Kairo an. Die Eindrücke dort zu schildern, wäre ein Bericht für sich. Kurz erwähnt sei die Besichtigung der Stadt, der Bazare, der Citadelle, der Omarmoscheh und der Pyramiden. Der „Cercle Nationale des Juifs" gab uns ein feudales Bankett. Am Suezkanal entlang, mitten durch die Wüste, brachte uns die Eisenbahn nach Port Said, wo wir gegen Abend den Dampfer bestiegen. Da wir keine Kabinen hatten, verbrachten wir die Nacht auf Deck. Schon früh war man auf den Beinen, und unser Blick heftete sich an den östlichen Horizont. Da endlich wuchsen weiß die Dünen Palästinas empor, sich immer schärfer von der Bläue des Himmels und des Meeres abgrenzend, umflossen vom Licht der Morgensonne. Ein banges und freudiges Erwarten lag über uns; da rasselten die Ankerketten nieder und eine Flut von braunen, malerisch gekleideten Arabern ergoß sich aus den das Schiff umtanzenden Kähnen über Bord und zwang uns, unsere Sachen vor ihrem Uebereifer in Sicherheit zu bringen. Unsere Koffer wurden verstaut, und eh' wir es uns recht versahen, fanden wir uns auf dem Fallreep, von kräftigenFäusten gepackt und von ebensolchen aufgefangen, wohlbehalten im großen Boote vor. Sechs baumlange Kerle griffen in die Riemen, und unter taktmäßigem Geschrei flog das Boot durch die Klippen dem Lande zu. Ein Bakschisch beseitigte alle Zollschwierigkeiten. Wir betreten heiliges Land. Das Milieu, das uns umgibt, entspricht wenig den damit verbundenen Vorstellungen. Unser Weg geht durch die schmutzigen Straßen des Araber-Quartiers und des alten Judenviertels von Jaffa. Mit einem Schlage ändert sich das Bild. Wir ziehen die breite, sauber gepflasterte und baufhgeschmückte Herzlstraße entlang, rechts und links grüßen aus den freundlichen Einfamilienhäusern Frauen und Mädchen. Vor uns liegt der stolze Bau des hebräischen Gymnasiums. Wir sind in T e 1 - A w i w (Frühlingshügel), im neuen jüdischen Stadtteil, den die erwachende Volkskraft sich erbaute. Unsere Wanderung beginnt, der Rucksack muß für fünf, später dann für 18 Tage gepackt werden.

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