Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Der Jüdische Student Von Jaffa geht unser Marsch durch die Kolonien der jüdischen Tiefebene, Rischon le Zion, die Weinbauerkolonie, Rechoboth, das Olympia der jüdischen Jugend in den Pessach-Tagen, Katra, die Gründung begeisterter russischer Studenten vor mehr als 30 Jahren, Hulda, um das über eine große Fläche die jungen Oelbaumstämmchen des künftigen Herzlwaldes sich erheben. Weithin dehnt sich das Land, zum großen Teile noch unberührt vom Pfluge, im Osten begrenzt von den blau schimmernden Bergen von Juda. Aus dem flachen Lande tauchen die Kolonien vor uns auf wie liebliche Oasen,, mit ihren Oliven-und Mandelkulturen und den Bojaren, wo aus dem tiefen Grün der Bäume die schweren Goldorangen hervorschimmern, Bilder der Schönheit, lebende Denkmäler jüdischen Fleißes. Von Sedjed bringt uns die Bahn nach Jerusalem. In Serpentinen durch romantisches Bergland, am Felskegel Bethar vorbei, wo einst Barkochba als letzter Freiheitsheld fiel, überwindet die Bahn die Steigung von 700 Metern. Jerusalem! — Durch ein kleinstädtisches Bahnhofsgebäude gelangen wir ins Freie. Zu unsern Füßen liegt das Kidron- und Hinnomtal,, jenseits auf ragendem Felsen, vom Gold der Abendsonne umflossen, die Davidstadt. Unser Weg geht steil ins Tal hinab und wieder hinauf. Man führt uns zur Klagemauer. Der schöne Eindruck verschwindet mehr und mehr beim Marsch durch die schmutzigen engen Gassen. An der Klagemauer geschäftsmäßiges Klagen; der Todessang des Ghettos, während draußen an den Toren das Leben pocht. Zwei Welten, zwischen denen es keine Versöhnung gibt. Von der Höhe des Oelberges umfaßt der Blick das ganze Land. Die klare, durchsichtige Luft läßt auch das ferne Gebirge von Galiläa unglaublich nahe erscheinen. Drüben liegt die steinerne Stadt wie ein Felsennest, dort der Tempelplatz, auf d#n sich jetzt der Kuppelbau einer Moscheh erhebt. Weit hinten das Tiefland von Judäa. Auf der anderen Seite der unbewegliche Spiegel des Toten Meeres und die Jordanmündung,, umgeben von den graublauen Bergen Transjordaniens, tief, tief unten zu unsern Füßen, anmutig und erhaben zugleich. Eine Wagenfahrt, zu der die Alten Herren uns das Geld stiften, führt uns die 1200 Meter hinab bis zur tiefsten Senke des Erdballs. Man versäumt nicht, ein Bad im Toten Meere