Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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146 Der Jüdische Student Völker ebenbürtg ist, sie verlangt Statistiker, Nationalökonomen, sie braucht rednerische Qualitäten, um in Versammlungen die Argumente der Gegner zu entkräften und in der Menge, die den Dingen gewöhnlich fernsteht, Begeisterung zu erwecken, sie erfordert Leute von ausgesprochener organisatorischer Begabung, und — last not least — Sportsleute, die die körperliche Tüchtigkeit der Juden beweisen und dem Märchen von der aprioristischen Minderwertigkeit der jüdischen Rasse ein Ende bereiten sollen. Dies wenige Beispiele, die natürlich nicht erschöpfen. Das eine sehen wir: Ein jeder ist in der Lage, nach Maßgabe „seiner Kräfte und deren individuellen Eigentümlichkeiten" unserer Sache zu dienen; die mannigfaltigsten Individualitäten finden in unseren Reihen ihr Betätigungsfeld, wenn sie nur eine gemeinsame Erkenntnis, ein gemeinsames Wollen verbindet. So können wir trotz aller Differenzen in der Veranlagung doch behaupten, die B. J. C.-er treten auf als eine „Phalanx uniformer Soldaten", uniform in einer gewissen Gleichgestimmtheit, die wir V. J. St.-er- Geist zu nennen pflegen. Diese Grundstimmung, ein Produkt von Erkenntnis und lebendigem Willen, in den Herzen unserer Bundesbrüder auszulösen, ist oberste Aufgabe der Korporation. Diesen jüdischen Patriotismus verlangen wir; denn gerade er ist unerläßlich für eine freie, harmonische Ausbildung der Individualität des heutigen Juden. Wir sind überzeugt, daß nur diese innere Revolutionierung des ganzen jüdischen Menschen über die Konflikte, die der moderne Jude — bewußt oder unbewußt — zu ertragen hat, hinwegzuhelfen vermag, daß nur in dem nationalen Einheitsbewußtsein der Jude sein seelisches und kulturelles Gleichgewicht zu finden vermag, daß eine starke, selbstsichere Persönlichkeit nur entstehen kann, wenn sie auf dieser einzig gesunden und einzig normalen Grundlage aufbaut. Dem, der sich im schwersten seelischen Kampfe ganz zum jüdischen Nationalismus hindurchgerungen hat, wird er zum tiefsten Erlebnisse seines Lebens, zur Wahrheit, die unabhängig von äußeren Geschehnissen ist. Unsere Gegner stellen ihn ja gern als eine Bewegung hin, die aus Resignation und tiefem Pessimismus heraus geboren ist, als ein Zurückzucken vor den bitteren Forderungen des Tages. Wir haben bloß ein Lächeln des Bedauerns für die, welche die Größe unserer Ideen niemals begreifen werden, niemals begreifen werden können. Wir