Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 147 wissen es besser: Gäbe es keinen Antisemitismus, gäbe es kein Judenleid auf dieser Welt, lebten die Juden frei und ruhig unter den Völkern, auch dann wären wir nationale Juden, da wir nicht nur leben, sondern auch als Juden leben wollen. Dem Dogma unserer liberalen Gegner, daß das Judentum seine Mission erfüllt habe, da es das Prinzip des reinen Monotheismus unter die Völker brachte, stellen wir unseren nationalen Zukunftsglauben entgegen. Wir glauben an die kulturschöpferische Kraft des jüdischen Blutes, an seine Fähigkeit, der Weltkultur noch neue, eigengeartete Werte zuzuführen. Wir wollen, daß unser Volk ewig lebe. Das Nationaljudentum ist die Lebensbejahung des seelisch und kulturell geknechteten jüdischen Volkes, es ist die Lebensbejahung derer, die ihre Individualität gegen die gieichmacherischen Tendenzen der Assimilation behaupten wollen. Vor 100 Jahren, als das preußische Volk in den letzten Verzweiflungskampf für seine Fortexistenz zog, hieß es in einem Briefe von Clausewitz: „Es kommt garnicht darauf an, ob wir viel oder wenig Mittel zur Rettung haben; der Entschluß soll aus der Notwendigkeit der Rettung hervorgehen, nicht aus der Leichtigkeit derselben. Es gibt keine Hilfe außer uns selbst." Auch wir sind uns bewußt, welche Schwierigkeiten wir überwinden müssen, um unserem Ideal Wirklichkeit zu verleihen; auch wir sind zu dem menschlich Größten entschlossen, zum Kampf mit dem Schicksal, unabhängig davon, ob es gelingen wird, es zu zwingen. Doch wir haben berechtigte Hoffnung auf Sieg. Unsere jüdischen Gegner, die — vielleicht ohne es zu wissen und zu wollen — den Kampf für die Vernichtung des Judentums führen, sind uns zwar heute noch an Zahl weit überlegen, aber ein Kampf, der bloß negative Ziele verfolgt, kann auf die Dauer die Herzen nicht erwärmen. Die Jugend strömt in großen Scharen zu uns, und wo die Jugend, da der Sieg. Wir sind noch wenige, aber jeder einzelne von uns ist sich der vollen Verantwortlichkeit bewußt, die er seinem Volke gegenüber trägt, ein jeder kämpft mit einer Liebe und Begeisterung, wie sie nur eine unendlich große Aufgabe zu erzeugen vermag. Eine uniforme Phalanx individueller Kräfte, die Mut und Idealismus vereinigt.