Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 145 Sterben, Krieg in seiner höchsten ethischen Bedeutung. Wir, denen das unbedingte Siegenwollen höchster Lebensdrang ist, kämpfen gegen einen solchen „Individualismus", der eben kein Individualismus, sondern unfruchtbarer Quietismus ist, sehr entschieden an; er ist unser ärgster Feind. Ganz anders liegt die Sache mit dem, was wir unter Individualismus verstehen: Die spezifische Fähigkeit eines Menschen, seine Prädisposition nach einer bestimmten Richtung hin, kurz das, was an diesem Menschen produktiv, d. h. schöpferisch wertvoll ist. Und hier wird man wohl nicht erst zu zeigen brauchen, daß es widersinnig wäre, wollte man diese wahrhaft individuellen Eigentümlichkeiten in der Entwicklung ersticken, — ein im übrigenvergeblicherVersuch, falls man es mit ausgesprochenen Individualitäten zu tun hat. —Je mehr Individualitäten, desto mehr Stoßkraft hat eine Kampforganisation, wenn sie wirklich von einem Kampfprinzip in höherem Sinne geleitet wird. Im egoistischen Interesse der Korporation liegt es, die individuellen Kräfte ihrer Mitglieder auf ein Höchstmaß zu potenzieren und sogar zu streben, Fähigkeiten zu entdecken und zu aktivieren, die vielleicht noch im Unterbewußtsein schlummern. Aus einem eigennützigen Beweggrunde heraus sind wir bestrebt, möglichste Farbigkeit und Vielfältigkeit in unseren Reihen zu vereinigen, und öde, blasse Monotonie wäre mit Untergang identisch. Der Freiheitskampf, in den wir ziehen, erfordert andere Waffen als der, den andere Völker führten, um sich vom Joche der Unterdrücker zu befreien, denn die Bedingungen für unsern Kampf sind andere. Auch wir brauchen eine „Phalanx uniformer Soldaten"; doch hier steht nicht der Philosoph neben dem einfachen Landmann mit derselben Waffe in der Hand. Waffen und Wege sind in unserem Kampfe verschieden, wenn sie nur zu einem gemeinsamen Ziele führen. Getrennt marschieren, vereint schlagen! Ein jeder ist mit dem Rechte seiner Persönlichkeit in die Reihen seiner Bundesbrüder eingestellt nnd treibt aus seinen individuellen Eigentümlichkeiten die befruchtenden Kräfte hervor. Unsere abnorme Lage erfordert Wissenschaftler, die den nationalen Gedanken theoretisch fundieren müssen, die zu untersuchen haben, ob und inwiefern die Juden als eine Nation anzusehen sind, ob und inwiefern die rassenmäßige Disposition des jüdischen Volkes — wenn es eine solche gibt — der anderer