Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1913)
- Date
- 1913-06-30
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537704-3537707--2877-3540979- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SS Der Jüdische Student andere Reformen als notwendig erweisen, so wird sich der Verein dann inzwischen genügend gekräftigt haben, um weitere Maßnahmen zu vertragen. Einstweilen aber ist dem Vereine Ruhe nötig. — Wenn man wie ich Gelegenheit hat, an vier . Tagen vier V. j. St.-en zu sehen, so erkennt man, daß das Wort von der Individualität eines jeden Vereins keine Phrase ist; ein jeder Verein zeigt tatsächlich ein eigenes Bild. Zu bedauern ist es, daß hiervon in den Vereinsberichten nichts zum Ausdruck kommt. Diese Vereinsberichte sind so schematisch abgefaßt, sie wirken so entsetzlich papiern, daß man sieht, sie werden ohne Lust und Liebe angefertigt; dem Verfasser kommt es darauf an, möglichst schmerzlos seiner Aufgabe in einer Weise gerecht zu werden, die seinen Verein in einem möglichst günstigen Licht erscheinen läßt, und wenn sich ein Mißstand nicht länger verheimlichen läßt, so treibt man eine üble Apologetik. Fast niemand hält sich vor Augen, daß es vor allem darauf ankommt, dem Leser ein anschauliches Bild von der Lage des Vereins, von den Bundesbrüdern, von ihrem Zusammenleben und von ihrer Arbeit zu geben. Wichtiger als die Registrierung jeder einzelnen Tatsache ist, daß der J. St.-Korrespondent kritisch zum Vereinsleben Stellung nimmt. Die ausführliche Schilderung eines einzigen Ereignisses aus dem Berichtsmonate kann oft. ein treffenderes Bild vom Vereinsleben geben als die vollständige Aufzählung aller Vorkommnisse. Wenn wir von den Vereinen, brauchbarere Berichte erhalten, werden wir im Präsidium auch die Interessen der Vereine bei Ueberweisungen usw. besser berücksichtigen können. Jedenfalls* hat meine Reise das eine Ergebnis gehabt, daßsie zu einer innigeren Fühlungnahme zwischen Präsidium und Kartellvereinen beigetragen hat. Salli Hirsch Charakteristisch für die Anfertigung der Berichte ist, daß Hirschs Besuch von den beteiligten Vereinen teils gar nicht (Breslau), teils unter Personalia (Freiburg, Straßburg*), als Besuch eines Alten Herrn aus Berlin, erwähnt wurde. Die entsprechenden Notizen sind in der vorliegenden Form erst hier hineingeschrieben (und deshalb eingeklammert). — Die weitere Ausgestalt u n g des J. St. ist. unmöglich., wenn grundsätzlich an dem Umfang von 32 Seiten festgehalten wird. Erich Cohn *) Auch Heidelberg, dessen Bericht mit übermäßiger Verspätung eingegangen ist.