Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1913)
- Date
- 1913-06-30
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische. Student 87 In Bonn leidet das Vereinsleben darunter, daß man keine Füxe hat. Unsere Keilfüxe aus dem Rheinland sind in Freiburg und Heidelberg aktiv geworden, während Bonn — von einem O. V. O. abgesehen — leer ausgegangen ist. Im übrigen aber scheint das Vereinsleben recht gut. in Gang zu kommen. Der o o V.J. St. Bonn hat einen Stamm von .Bundesbrüdern, die sich schon ziemlich lange in Bonn aufhalten; er hat einen guten Anhalt an den in Cöln ansässigen jüngeren Alten Herren; es ist nur noch nötig, daß ein Teil der rheinlänclischen Füxe bald nach Bonn geht und nicht erst als Juristen im fünften Semester. F r e i b u r g und H e i d e 1 b e r g machen beide im ganzen einen recht erfreulichen Eindruck; etwas läßt natürlich, jeder Verein zu wünschen übrig. In Frei bürg scheinen sich noch nicht alle Burschen ihrer Erziehungsaufgabe bewußt geworden zu sein; ich nehme an, daß sie einige der vorangeschickten: allgemeinen Bemerkungen auf sich beziehen. Der Heidelberger Boden ist dem Korporatiorisleben noch günstiger als der Freiburger. Das Korporationsleben ist datier in Heidelberg wohl noch besser als in Freiburg. Gerade in Heidelberg besteht aber die Gefahr. — vorläufig ist es nur eine Gefahr —, daß man den Wert und die Bedeutung der Korporation allzusehr in Aeußerlichkeiten erblickt. Hierauf werden wir ständig unser Augenmerk zu richten haben, und wenn wir jetzt dem V. J. St. Heidelberg gestattet haben, sich zum Gebrauch bei Fackelzügen usw. schwarze Pekeschen und Baretts anzuschaffen, so wollen wir nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß damit nicht etwa der erste Schritt zur Kneipkouleur getan sein soll. Wir haben zu unseren Heidelberger Bundesbrüdern das Vertrauen, daß sie sich innerhalb der Grenzen des im Korporationsinteresse unbedingt Erforderlichen halten werden und daß keine dieser Aeußerlichkeiien Selbstzweck wird. Unser Sorgenkind ist noch immer Straßburg. Ich habe von dem dortigen Vereinstaben leider keine rechte Anschauung bekommen können. Die Aktiven,, die ich dort kennen lernte, gefielen mir recht gut; aber sie machten mir nicht den Eindruck, als ob sie das Zeug hätten, unter so schwierigen Verhältnissen ein gutes V. j. St.-er-Leben zu macheo; denn die Verhältnisse in Straßburg sind 'fortgesetzt sehr schwierig; beide Parteien haben sich verraunt und scheinen mehr auf die Durchsetzung des eigenen Willens als das Wohl des Vereins bedacht; die jetzige Aktivitas steht als unschuldige Leidtragende zwischen den Parteien. Ich habe den Eindruck gewonnen, daß gewisse unumgänglich notwendige Reformen schleunigst durchgeführt werden müssen; der Altherrenb.und wird da etwas Energie zu zeigen haben. Dann müssen aber die Stürmer und Dränger dem Vereine etwas Ruhe lassen, damit er sich m Frieden gedeihlich entwickeln kann. Sollten sich später noch