Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1913)
- Date
- 1913-06-30
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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S6 Der Jüdische Student Sodann aber müssen aus dem J. St. solche Artikel ferngehalten werden, die geeignet sind, Verwirrung anzurichten und unsere- Erziehungsarbeit zu stören. Ich verkenne nicht daß für manchen Alten Herrn-— insbesondere für solche, die nicht am Orte eines K. V. wohnen — das Bedürfnis besteht, seine von der Auffassung d r sog. herrschenden Kreise abweichenden Anschauungen im j. St. zur Geltung zu bringen; niemand fürchtet eine solche Diskussion; aber im Interesse der jüngeren Bundesbrüder, die eine große Entwicklung nicht mitgemacht haben, denen das Verständnis für viele Dinge völlig abgehen muß und die daher manches in verhängnisvoller Weise mißverstehen können, müssen wir die Erörterung solcher Fragen aus dem J. St. fernhalten. In einigen Fällen ist dies bereits geschehen, und wir haben den Vorwurf, daß wir uns vor der Diskussion fürchteten und daß wir reaktionäre Gewaltmenschen seien, willig auf uns genommen. Wir werden auch in Zukunft an diesem Standpunkte festhalten und können die Dissentierten nur auf den Kartelltag trösten, der uns der rechte Ort für solche Aussprachen zu sein scheint. 3. Schließlich haben wir schon bisher., immer den Standpunkt vertreten — und ich will ihn hier einmal offen aussprechen —, daß ein wirklicher guter V. J. St.-er nur der werden kann, der mindestens ein Semester in Berlin aktiv gewesen ist. Nicht nur, weil hier eine große Anzahl von Alten Herren sitzen, von denen wenigstens der eine oder der andere hin und wieder an der Erziehungsaufgabe teilnimmt, sondern vor allem deshalb, weil im deutschen Golus nur in Berlin etwas wie ein jüdisches Leben vorhanden ist und weil uns vor allem darin liegt, daß unsere jungen Bundesbrüder jüdisches Leben kennen lernen. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen nun zu den einzelnen Vereinen: Breslau fand ich in einer erfreulichen Entwicklung. Dieser K.V., der in tendenzieller■ Hinsicht jahrelang hinter den anderen Vereinen hinterherhinkte, marschiert jetzt in Reih und Glied. Bezeichnend ist, daß man'dort jetzt allgemein anerkennt, daß der Breslauer Kartelltag günstig gewirkt habe. Noch haben nicht alle Breslauer Alten Herren sich der Entwicklung des Vereins angeschlossen, aber die Aktivitas wird mit Energie — doch ohne Unbesonnenheiten und insbesondere ohne persönliche Verunglimpfungen — darauf sehen, daß die Alten Herren den von der Aktivitas angegebenen Tritt aufnehmen und das Tempo innehalten. Wer die Mindestforderungen, die wir an. - unsere Alten Herren stellen müssen — ich habe sie in Breslan auf einer A. H.-Sitzung und auf einem Konvente eingehend formuliert — nicht zu erfüllen yennag, der hat keinen Anspruch auf Schonung, wenn die Aktivitas zu dem Ergebnisse kommt, daß er ihre Arbeit lähmt und aufhält;