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Der jüdische Student · 1913-06-30 · Heft 3 (30.6.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1913)
Date
1913-06-30
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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so Briefe aus Palästina Von Dr. Harry Epstein (Bonn A. H.) Duisburg*. Rechoboth den 25. März 1913 Ich schreibe im Hause des Kolonisten Feinstein, eines liebenswürdigen Wirts, wie nur Judäa sie aufweist. Wirklich und wahrhaftig, ich bin in Erez Israel, in "einer jüdischen Kolonie. Den Horizont grenzen die hellblauen Berge in langgezogener Kette ab. In tausend bunten Farben leuchten die Wiesen, duftende Mimosenhecken umhegen die Felder. Die Weinstöcke beginnen zu treiben. Silbergrau schimmern die Olivenbäume in der Sonne; Feigen, Sykomoreh und Mandeln wechseln mit einander ab. Die Orangen sind abgeerntet, und schon strömen neue Blüten süßen Wohlgeruch aus. Das ist der Boden, der das neue Geschlecht erzeugt, Fleiß, Ordnung, Gemeinsinn und aufrechte Menschen, nienuchah wenachlah. Keime, Ansätze nur, aber zukunftsfrohe, zukunftssichere. Der Jude liebt seinen Acker. Der Araber ist es, der vom Juden das Getreide kauft und es zum Gegenstand des Handels macht Wie anders ist hier alles! Bei uns drüben verdrängt einer den andern in unerbittlichem Kampf, hier bittet jeder: Kommt zu uns und reicht uns die Hände! Ein freier Verlrag ist die Verfassung, dem Spruch der selbstgewählten Richter folgt kein Zwang. Der Vertragsgenosse versagt ihm den Respekt nicht. Jeder schafft für die Gesamiheit, jeder achtet die Gesamtheit, jeder will die schönsten Ideale, die er im Buson heimlich trug, hier in die Wirklichkeit umsetzen für die Gesamtheit. Das Negieren und O.opositionmachen und Herunterreißen verlernt der, der bauen und kultivieren muß. M?.n bearbeitet die eigene Scholle, aber diese Dörfler schaffen auch Schulen und Bibliotheken, Synagogen und Volkshäuser, Ar/tsteHen und Apotheken, Krankenhäuser und Badeanstalten, Grenzschutz und Wirtschaitsgenosseusehaiten. Man lächelt, wenn man daran denkt, welche Sorgen unsere Juden da drüben haben. Das liegt alles so weit, so fern. Das glitt ins Meer, als ich in Jaffa den Fuß ans Land setzte. Die armseligen Monstrositäten des Golus will ich hier vergessen, kein Zeitungsblatt soll mich daran erinnern. Die Glücklichen hier verstellen unsere Schiefheiten nicht. Frag einmal einen Juden hier, ob er für einen Araber gelten möchte; einen Araber, ob er-wollt ein Jude --- einen Eichbaum, ob er wollt ein Oelbaum sein. Jeder steht an seinem Platze, jeder freut sich seiner Stelle. Wir alle möchten mit diesem gesunden Boden verwurzeln, wir alle das Werk mitschaffen; jeder hält nach Niederlassungsmöglichkeiten Ausschau. Telephon, elektrisches Licht und-Vakuumcleaner besitzt der Koloniearzt Dr. Moscowitz"nicht; der hier einsam unter jüdischen Bauern wirkt.

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