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Der jüdische Student · 1913-06-30 · Heft 3 (30.6.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1913)
Date
1913-06-30
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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73 Der Jüdische Student in seiner Zeit verwurzelt war, die. ihn beherrschte, bis er sie beherrschte, aus den beiden Komponenten seines Wesens^ seiner betrachtenden, die ihm als Künster und Kritiker seine Formung gab, und seiner handelnden, die ihn der Politik so nahe brachte, in sich, seiner Persönlichkeit die Synthese des neuen Judentypus, des verinnerlichten, leidenschaftlichen, vom Judentum durchtränkten Menschen, wie wir ihn übernehmen und weiterbilden sollen ... Die Zeit aber, in der er lebte und die wir nach ihm nennen, trug im Judenvolk alle Zeichen der Unfertigkeit und Verwirrtheit, diese Uebergangskennzeichen, an sich. Er verlebte die Zeiten seiner Kindheit in den 60er Jahren, da die Judenheit aufsteigt und sich einfügt in die soziale und politische Situation ihrer Wirtsvölker, da ihnen in Oesterreich-Ungarn, Deutschland, selbst in Rußland, Erleichterungen zugestanden werden und sie diese Konzessionen ausgleichen durch Aufgeben ihrer eigenen Art, durch intensivste Hingabe an die Ereignisse „djfe Tages . (als Journalisten und Literaten), an die Politik der Parteien (als Parlamentarier und Führer) und an die Wirtschaft und Wissenschaft und Kunst. Und seine Jünglingsjahre sehen in den 70er Jahren den immer höheren Autstieg der Juden, bis gegen sie grollend und zuckend und dann vernichtend das Gewitter loszubrechen droht, das die antisemitischen Ausschreitungen der Jahre 77 und 78 ankündigen; er sieht ihnen ohne Ergriffenheit und Anteilnahme zu mit der Unerfahrenheit des Abseitsstehenden, den die Dinge nicht persönlich tangieren, so wie die Juden der 80er und auch, noch der 90er Jahre die Bedrohung nicht empfinden wollten, den Niedergang und Abstieg der Lage sich verheimlichten und nur in kümmerlichen Versuchen die Notlage und das Problem an sich heranbringen . . .. Alledem, was offiziell und unterirdisch vor sich geht im Judentum, steht er fern; es liegt ah:>eits von ihm und doch auf seinem Wege, als er aus eigenem Ahnen und Erleben und letzthin auch aus dem Erleben der Zeit seine Plane und Gedanken vorn Judensfaat der Welt vorlegt und sich ein Instrument schafft im Zionismus, der* sein Werk war und sein Resonanzboden,, der nicht Sekte sei noch Partei. Einstmals aber, wenn, noch in unseren Jahren, das Judenvolk sich vollendet und seine Ganzheit zur Einheit gefügt hat, wird er als ein Zentrum, als-Vorläufer empfunden werden. — — — So fließen die Ströme der Zeit auf ihn zu und tragen ihn, daß er sie bändige; daß er sich das Volk schaffe in dieser Zeit und das Volk das Land schaffe, das so lange Symbol gewesen war und jetzt Wirklichkeit werde; nackte, kostbare, irdische Wirklichkeit unserer Gegenwart für die, die es bebauten, für die, die es betraten, und auch für die, die sein Blühen beeilen in der Ferne; er selbst aber ging dahin und an seinen Namen und an seinen Todestag werden einst die Lieder und

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