Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1913)
- Date
- 1913-06-30
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Der Jüdische Student kenntnis seiner Einheit wiedergebracht-wurde, der Einheit mildem Leid des Einst, das schicksalsreich war und ist, der Einheit mit dem beschwingteren Einst einer freudvollen und erhebenden Zukunft; , es bedeutet, daß dieser Mann Theodor Herzl nicht bloß in Träumen und im_ Dichten, nicht bloß in der gelegent-- lic^n|^ufrä^ung-y.äes Festtags sich dem Problem von des Juden-"Nöt und Hoffnung zuwendet, sondern mit der Wucht seiner Persönlichkeit, der durch das Erlebnis am Judentum neue und ihm selbst unbekannte Kräfte zugeführt wurden — wie jedem von uns, der sich ernsthaft und voll Hingabe ihm nähert —, sein ganzes Wesen voll Leidenschaft auf die Werke ausstrahlt; und es lehrt vor allem, daß mit ihm und durch ihn, durch sein Wort und Werk und Vorbild eine neue Welle über das Volk kommt, es emporreißt weithin in Möglichkeiten, die es nie geahnt und nie geschaut, daß ein anderer Rhythmus von kräftigerer, hellerer Tönung Glieder und Seele beschwingt, und daß so — in unseren Tagen — die große Urnwertung desjüdischen Menschen eintritt, wie sie Herzl geahnt, gewünscht und vorgelebt hat. Unter diesen Gesichtspunkten verstehen wir, was der Ausdruck „das Zeitaller Theodor Herzls" in sich schließt: es ist seit vielen Jahrhunderten der erste Versuch, die Einheit des. Judentums wieder zu einer Aktivität großen Stils und großen Ziels zu erheben; ein Versuch, der gemacht wurde von einem Manne zu einer Zeit, die den Prozeß der Assimilation vollendete,, um jetzt über ihn hinaus und an ihn anknüpfend die Synthese aus dem Verlauf jüdischen Geschehens zu schaffen; es ist die Zeit der letzten Jahrzehnte, verwirrend reich an Nachwirkungen früherer Gedanken von Aufklärung und Untergang und noch reicher an gärenden Versuchen, zum eigenen Selbst zu kommen; die typische Uebergangsepocbe, die aus romantischen Regungen und lebcnskräftigern Weltgefühl zur Erfüllung und zur Vollendung kommen will. Die Erfüllung unserer Verheißungen, derer, die uns wurden, und derer, die wir gaben, und die Vollendung unserer Anlagen, derer, die wir zeigten, und derer, die in uns noch schlummern, das steckt als tiefster Volks- und Menschheitswert hinter all den Forderungen, die wir aufstellen und die Herzl an uns gestellt hat; die Erfüllung, wie sie Herzl geträumt und wie wir sie ihm über das Grab hinaus bringen werden, die Vollendung um unseretvvillen und der Welt wegen, fernab von aller mystischen Schwärmerei und in unseren Tagen. Diese Zeit unseres Uebergangs, die wir das Zeitalter Theodor Herzls nennen, hat aber ein doppeltes Antlitz; es beschließt den Reigen der Jahrhunderte, in denen der Jude seine Wanderjahre voll Entsagung und leiddurchfränkter Knechtschaft verlebt, und führt den Juden zurück, in seine Lehr- und Jugend-