Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1913)
- Date
- 1913-06-30
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 75 Die Kongreßwoche ist ein wirbelnder Strudel jüdischen Lebens. Es ist wundervoll, in ihm herumzutreiben. — Das Präsidium, in dessen Auftrag diese Zeilen; geschrieben sind, ermahnt Euch, die jungen Bundesbrüder, dein Kongreß zu besuchen; die Kartellvereine, ihre Mitglieder in diesem Sinne anzuregen. Was mancher in vielen Fuxenstunden möglicherweise nicht begriffen hat, wird ihm hier klar werden. Jedenfalls wird ein starkes jüdisches Erlebnis auf seine jüdischen Anschauungen einwirken. F. R. . " Das Zeitalter Theodor Herzls*) Von Dr. Alfred Wolf f (V. J. St. Berlin A. 1f.), -Berlin Wer eine Zeit unier einem einzigen Namen zusammenfassen will, damit der Nachwelt der Träger dieses Namejas als Symbol der Zeit und ihr prägnantester Deuter erscheint, hat zu sagen, wie sich die Spannungen und Gewalten der Zeit, die unterirdischen Tendenzen und die oberflächlichen Geschehnisse dieser Jahre um einen Menschen gruppieren. Solche Menschen, die ihrer Zeit aus ihrem schöpferischen Vermöge© heraus den Stempel ihres Geistes aufdrücken, sind nicht bloß für ihr Volk, sondern für die Welt die wahrhaft repräsentativem Menschen, die einmaligen Beweger der Geschichte und das höchste Glück der Völker über ihr eigenes Leben hinaus, und beherrschen als Symbol, als Mythos, als Heros das Denken und die Tat unsichtbar bis in die fernsten Zeiten. Wenn man in der Diaspora von einem jüdischen Zeitalter spricht und dies unter dem Namen und Schutz eiiäcs Menschen, wie wir unter das Zeichen Theodor Herzls unsere Zeit stellen, und wie der Deutsche von einem Zeitalter Luthers oilier Friedrichs des Großen spricht mit bewußter und beneidenswerter Heldenverehrung, so bedeutet das für uns etwas anderes als für jene, weil wir in der Vorbereitung sind, jene die Erfüllung boten; weil jene mit solchem Namen und solchem Werk die Welt sich eroberten, während wir erst uns selbst, unser eigenes Volk uns erobern müssen; und auf der anderen Seite bedeutet dieser .Name, daß unserem Volke, das von der Fwigkeiä her besteht- und das stärkste scheint und doch nur voll Unruhe und Schwäche den kommenden Tag zu erwarten venmag, die Er- *) Diese Zeilen bilden die Einleitung zu dem Burschen&ars, den ich dies Semester über das Thema im V.J. St. Berlin halte.