Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (28.4.1913)
- Date
- 1913-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Der Jüdische Student die vielen jungen Menschen, die den V. J. St.-enzuströmen, dressiert und geistig uniformiert. Und dies alles dadurch, daß sie schablonenhaft alle zum Zionismus, erzogen und in diesem Sinne politisiert werden. So kann nur jemand schreiben, der dem V. J. St. immer fern gestanden, der nie am V. J. Sf.-er-Leben, ja nie an einem rechten jüdischen Gemeinschaftsleben überhaupt innerlich teilgenommen hat, der sich nie der Sache völlig hingab. Es ist wahr, der B. j. C. ist eine politische Organisation geworden, in dem Sinne nämlich, daß er seine Leute zur A k t i v i t ä t in jüdischen Dingen erziehen will, und er weist ihnen als ihr Tätigkeitsgebiet den Zionismus an. Aber es ist eine geradezu erstaunliche Verkennung des Wesens des Zionismus, wenn ein Zionist sagt, daß das Bekenntnis zum Zionismus die Menschen uniformiere. Zionist werden heißt doch überhaupt erst die Basis schaffen, auf der ein Jude heute zu einer Persönlichkeit, oder, um mit Fink zu reden, zu einer Individualität emporwachsen kann (nota bene soweit ihm die Natur die Gaben dazu überhaupt mitgab. Wir wollen auch niemandem einreden, er sei eine Individualität!). Der Zionismus ist das Minimum, das wir verlangen, weil wir nämlich wissen, daß ein Jude, der Jude sein will, ohne ihn geistig und moralisch nicht existieren kann. Zionist werden bedeutet darum sein seelisches, sein kulturelles Gleichgewicht finden; und ohne dieses Gleichgewicht gibt es keine Individualität, deren man selbst und deren die anderen froh werden können. Soll denn für uns der Zionismus etwas anderes sein, als für den Deutschen sein Deutschtum? Und so wenig in dem Begriff Deutschtum etwas von öder Gleichmacherei steckt, so wenig steckt es in dem Begriff Zionismus. Unsere Jungen zu Zionisten erziehen heißt sie dazu anleiten, in der Vielfältigkeit, in der sie als Juden und als* Kinder unserer Zeit herumwirbeln, sich selber zu finden. Dazu brauchen sie allerdings eine Anleitung; aber Führung ist nicht Dressur und niemand wird das bedauern, dem nicht an der Problematik mehr liegt als an einer einfachen Sicherheit, die Blumenfeld als das zu erreichende Ziel bezeichnete — und nicht nur er! Wie oft hat z. B. auch Emil Cohn, der sich der Problematik unseres Daseins so wohl bewußt ist, die Einfachheit, die Ueberwindung des Problematischen als unser männliches Erziehungsideal gepriesen! Denn zu dieser Ueberwindung gehört wirklich mehr als zum Steckenbleiben in der hochinteressanten Problematik. Erst für den, der sich mit sich einig geworden, ist der Weg frei für die weitere Entwicklung, die ihn, von diesem festen Fundament aus, seinen individuellen Weg führen kann. So kann man auch mit B ü b e r s schon stilisierten Sätzen nichts anfangen, und wenn wir Finks Zitat lesen, so fragen wir uns im Grunde..*