Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (28.4.1913)
- Date
- 1913-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
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Der Jüdische Student 19 als die Aufgabe der jüdischen Korporation bezeichnet" hat erweist man der Nation einen schlechten Dienst mnd entzieht ihr die besten Werte. Und der Korporation nimni man die Möglichkeit, einen wertvollen Nachwuchs heranzuziehen. Mit einem Stab von Leuten, ciie nur farblose Marionetim auf der Bühne der Parteipolitik' sind, lockt man keinen Kund hinter dem Ofen hervor, geschweige denn einen reifen unS geweckten Keilfux aus seiner schönen, reichen UngebundenheS hinein in den entbehrungsvollen Dienst der Korporation. Durch die Politisierung wird der B J. C. allmählich so ausgelaugt, daß. schließlich die guten Elemente unter den Keilfüxen nicht mehr viel Geschmack daran finden können. Das ist eine Gefahr, die nicht unterschätzt werden sollte. Schon jetzt habe ifch manchmal in V. J. St.-er-Kreisen mit Erschrecken eine Leere und menschliche Armut, einen Mangel an persönlicten Werten empfunden, der uns sonst nur als beschämendes C&araktenstikum des deutschen Kuleurstudententums erschien. Und wenn ich einmal einen Fux mit reichen Anlagen zu uns tarnen sah, habe ich immer mit besonderer Besorgnis seinen Werdegang im B. }< C. verfolgt, um oft genug von seinem Austritt zu erfahren. Ich gedenke mit Wehmut mancher feines und stillen Menschen, die im B. J. C. nicht fanden, was sie suchten, — Menschen wie Eugen Seelig, Erhard Bötzel, Alfred Storch, der mein Leibbursch war. Wir hatten nichts, sie festzuhalten. Und. mit ihrem Ausscheiden verlor unser Kreis nicht wenig an Charme und Farbigkeit und damit an Anziehungskraft für spätere Generationen. Auf diese Weise werden die „Stillen im Lande", die tiefen und innerlichen, die vielbelächelte „kontemplativen" Naturen bei uns schließlich ganz aussterben,-; mit ihnen, aber entweicht das Leben und es bleibt tödliche Stagnation. Denrr, mögt Ihr sie auch als unnützen Ballast bekäupfen und ihre politische Passivität als einen verderblichen Luxus m unserer Zeit des Kriegszustandes hinstellen — in Wahrheit sühd sie es doch, die Leben, Farbe und Bewegung, Kampf, Zweifel, Widerspruch und Fortschritt in unseren Kreisen erzeugen, ffo tieferem Sinne sind sie die „Diener am Licht". Darum ist es mir auch zum Schluß noch Bedürfnis, ein. Wort der Ermutigung an die zu richten, die die PoKIsierungstendenz sich zu Opfern erkoren hat, an unsere lieber famosen Jungens mit den guten Anlagen und den vielfähiges Interessen und Neigungen: Laßt Euch nicht einschüchtern umi irreleiten durch die überspannten Forderungen radikaler Politter. Kämpft um Euren Platz im ß.J.C. - für Euch ist er da, und ihr gehört gerade in ihn hinein. Sprach ich bisher nur von dan, was die Individualität dem B. J. C. bedeutet, so soll auch kum.hier gesagt werden, was Euch der B. J. C. ist. Der B. J.C. isä auch Euch unentbehrliches Lebenselement, — das werdet gende Ihr viel-