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Der jüdische Student · 1913-04-28 · Heft 1 (28.4.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (28.4.1913)
Date
1913-04-28
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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18 Der Jüdische Student Problem?, ein ernstes Durchdenken seiner. Fragen, ein Sichversenken in die Literatur der jungjüdischen Bewegung, und schließlich als wirksamstes Korrektiv ein gründliches Studium der hebräischen Sprache bis zum Eindringen in das klassische und das moderne Schrifttum unseres Volkes. Und diese stillen Wege weiden zu einem mindestens ebenso echten und widerstandsfähigen Judentum führen, wie die Wege in die Gemeindestuben und die Propagandasäle. Ich rufe als Kronzeugen Martin Buber auf, der vielleicht ernster als nur einer in unserer Zeit um die Erkenntnis jüdischen Wesens gerungen hat: als man ihm einmal diese Frage vorlegte, wie denn unsereins heute zum rechten Judentum gelangen könne, antwortete er: „Etwas gibt es, was man jedem einzelnen Westjuden sagen kann, nur ist es scheinbar nicht nationaler, sondern menschlicher Art: daß jeder Westjude es ernst mitsich selber nehme, daß er sich besinne auf* das, was in ihm ist, und sich mit den Dingen, die er in sich vorfindet, auseinandersetze; daß er versuche, aus sich selber eine Einheit zu machen, aus sich selbst überhaupt etwas zu machen; das, was dann in ihm produktiv wird, das wird jüdisch sein." Ich schlage vor, diese Sätze in unseren Fuxenstunden als authentische Interpretation unseres Tendenzparagraphen zu lehren. Denn in dieser tiefen Bedeutung erblicke ich das Charakteristische unseres Kartellprogramms, nicht in Aeußerlichkeiten wie Kautschukparagraph und Mausefallenprinzip. Das nationale Problern stellt sich also für uns in erster Linie als ein Problem der Erziehung dar; nicht eine politische Mission haben wir wie das K. Z.V., sondern eine menschlichmoralische.- Wir haben den Individualismus keineswegs, als Element der nationalen Dekomposition anzusehen; es gilt nur, ihn fruchtbar zu machen für die Nation, und damit ist der sicheiste Weg zur Bereicherung und Belebung des Volkstums gefunden. Von jeher haben nationale Erwecker diesen Weg gewiesen, haben darauf hingewiesen, daß Nationalismus nichts anderes ist als ein potenzierter, auf die Gesamtheit projizierter Individualismus. Man lese Fichtes Reden an die deutsche Nation, man lese aus unserer Zeit das Buch Längbehns, des Rembrandt-Deutschen, man lese die Schriften Achad Haams, der mit solchem Nachdruck „Besserung des Volkes vor der Rückkehr ins Land" verlangt und eben damit die Forderung ausspricht, 'die wir aus unserem Kartellprogramm herauslesen sollten — überall wird man den Individualismus als Mittel zur Genesung der Nation verherrlicht finden. Demgegenüber scheint mir die Therapie der Politisierungrecht zweifelhaften Wert zu besitzen. Wenn man die Leute „zu - intransigenter Parteinahme erzieht" und zu diesem Zweck „primitiver im Bewußtsein macht", wie Blumenfeld es kürzlich

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