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Der jüdische Student · 1913-04-28 · Heft 1 (28.4.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (28.4.1913)
Date
1913-04-28
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Der Jüdische Student 17 da wir zum jüdischen Volke gehören: der noch nie in aufrichtigem Stolz, fern von allem Trutzjudentum, der großartigen Rotte gedacht hat, die unser Volk in der Geschichte spielte, und sich der großen Möglichkeiten freute, die noch in ihm schlummern, und die, erlöst, zu neuen weltbewegenden Taten werden müssen, — der noch nie etwa in fremder Gesellschaft den einzigen Juden insgeheim mit einem gerührten Wohlwollen und einem Gefühl tiefer Verbrüderung begrüßt und gleichsam im Geiste ans Herz geschlossen hat; der noch nie mit demütiger Dankbarkeit empfunden hat, welch ein Glück uns widerfuhr, da wir als Juden geboren wurden in dieser reichen und bewegten Zeit der Krisis und des Neuerwachens, wie sehr unser Leben dadurch erhöht und bereichert und mit menschlichen Werten erfüllt wurde. Dies — das Jüdisch-Empfinden — scheint mir im letzten Grunde das Kriterium zwischen der wohlverstandenen B, J. C.¬ Tendenz und einer Politisierungstendenz, wie sie das fC Z, V. veitritt. In eine klare Formel läßt sich freilich dies jüdische Bewußtsein ebensowenig bringen wie das volkstümliche Empfinden des Deutschen oder des Franzosen. Ich sagte schon: Individualitäten von menschlichem Wert und mit jüdischem Bewußtsein heranzubilden, ist Aufgabe des B. J. C. Es gilt / Männer von individuellem Wert zu erziehen, zugleich aber ihren / seelischen Komplex jüdisch zu orientieren. Dann wird sich gerade der verpönte und vielbelächelte Individualismus als ein Faktor von eminent nationalem Wert erweise». Wie anders sollte etwa ein jüdischer Künstler zur Schaffung jüdischer Kunst kommen, als indem er gewissenhaft und unbekümmert sein Eigenes gibt, getreulich und unbeirrt den Stimmen lauscht, die in ihm sprechen? Er ist ein Jude seiner Rasse und seiner Geschichte nach, und so muß notwendig, was er aus sich herausholt, aus seinen eigensten Tiefen, jüdisches Erzeugnis sehr und die Merkmale jüdischer Art tragen. Und diese Forderung muß auch für jeden von uns gelten: Werde, der du bist, — und es wird ein Jude sein, der dabei herauskommt. Männer gilt es zu bilden mit gradem Charakter und empfänglichem Geist, die nach eigener Art die Dinge sehen und selbständig zu ihnen Stellung nehmen, — ihr inneres Leben gilt es zu wecken und zu bereichern, zugleich aber dem Instrument ihrer Seele die jüdische Note einzufügen, den Tropfen „Jüdischkeit" hineinzubringen, der das Ganze färbt, — ihr Ich-Bewußtsein wachzurufen und auszubilden, zugleich aber es jüdisch zu orientieren durch den Willen und das Bewußtsein, Jude zu sein. Dazu aber braucht's durchaus nicht unbedingt ein Aufgehen im politischen Kampf; ja, Gesinnung ohne Betätigung ist sicherlich wertvoller als Betätigung ohne Gesinnung; und zur Erzeugung solcher Gesinnung braucht es nur ein ehrliches Erfassen des

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