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Der jüdische Student · 1913-04-28 · Heft 1 (28.4.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (28.4.1913)
Date
1913-04-28
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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16 Der Jüdische Student Zentfum der Bestand unseres Volkes nicht denkbar ist. Es ist mir nur darum zu tun, aus dem in Wahrheit nicht zerlegbaren Komplex unseres zionistischen Empfindens einmal dies eine Moment herauszuschälen und zu unterstreichen: daß.die zionistische Politik für uns nicht Selbstzweck werden darf, daß wir nicht den höheren Zweck aus dem Auge verlieren dürfen, dein sie. nur als Mittel dient: die Erziehung von Juden, von Individualitäten mit menschlichem Wert und mit jüdischem Bewußtsein. Denn dies zu vergessen, ist „die Gefahr", die hinter den hochgespannten Forderungen der Politisierungstendenz lauert. Dies ist die Gefahr, die in der unbedachten Annäherung an die Politik des K. Z.V. liegt: die K;Z.V.-er — ich spreche natürlich von dem K. Z. V.-er als Typus — gleichen Kämpfern, die in. blindem und gedankenlosem Draufgehen um das Fahnentuch, raufen und darüber die Idee vergessen, für die es nur Sinnbild ist. Die Gefahr liegt darin, daß im Lärm des politischen Kampfes die jüdische Stimme ganz übertönt, . nur um tote Materie gestritten, der lebendige Geist aber vergessen wird, bis schließlich der jüdische Inhalt sich ganz verflüchtigt und nur ein leeres Gefäß zurückbleibt, das dann vielleicht auch in einem Moment jähen Erkennens beiseite geworfen wird. Ich erinnere mit ernster Warnung daran, daß in Oesterreich schon die Fälle typisch geworden sind, wo Männer, die durch die zionistischen Korporationen hindurchgegangen sind, sich später völlig vom Judentum abgekehrt, ja, zum Christentum gewendet haben. Auch bei uns mehren sich schon, wie mir scheint, die Leute, deren, zionistische Rührigkeit nur einen sehr schwachen Gehalt an jüdischen Weiten aufweist; Leute, die den Eindruck erwecken,, als fröhnten sie nur einem Bedürfnis nach politischer und organisatorischer Betätigung, dem sie ebensogut in einem, deutschen Kriegerverein oder einem Sportklub nachgehen könnten. Hier tut beizeiten Einlullt und Einkehr not, und gerade der B. J. C. scheint mir bei richtiger Würdigung, seines Sammelprogramms dazu berufen, Menschen heranzubilden, in denen Judentum lebendig ist. Wahrlich, lieber und wertvoller als einer, der drei Schekelzahler am Abend fängt und ohne Empfindung, eingelernte Programmreden und Schlagworte von sich gibt, ist mir der, der aus der nüchternen und ärmlichen Klarheit jüdischpolitischer Leitsätze zagend hinabsteigt in die Dämmerung des Problematischen, der in ernster Gewissensqual das Jüdische in sich sucht und mit dem Menschlichen aussöhnt und. _der.„ in solcher ernsten Arbeit zu einem tiefempfundenen jüdischen Bewußtsein kommt. Der wird stille Oluten in sich tragen, die siärker brennen, als die Strohfeuer zionistischer Politik. Ich" fürchte, es wird mancher unter unseren zionistischen Feuerköpfen sein, dem noch nie in einem Moment des Erschauerns zum Bewußtsein kam, wie sehr wir gesegnet und auserlesen sind,.

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