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Der jüdische Student · 1913-04-28 · Heft 1 (28.4.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (28.4.1913)
Date
1913-04-28
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Jüdische Student 15 Fahne für eine Armee ist. Die Fahne ist nur em Fetzen Tuch an einer hölzernen Stange — aber was sie beseeB,; belebt und heiligt, ist die Idee, far die sie ein Sinnbild ist, ist die Heimat, das Volk, das Volkstum, deren bildlichen Ausdruck sie darstellt. Die Masse braucht so eine Art Fetisch, um sich daran zu erwärmen und zu begeistern; man braucht einen greifbaren Ausdruck für eine Idee; braucht einen Punkt, auf den sich die Empfindungen Aller konzentrieren, so daß sie dem Einzelnen deutlicher ins Bewußtsein treten und zugleich durch eine Art seelischer Ansteckung sich aneinander steigern rnid entzünden und so ihre Stoßkraft ins Unendliche potenzieren. Und so brauchen auch wir für unsern Willen zum Judentum einen Gegenstand, an dem wir ihn uns verdeutlichen. Palästina sei uns das Symbol, mit dessen Hilfe wir dem abstrakten, zerfließenden und, ach, im Oolus so sehr verflüchtigten Begriff unseres Judentums einen greifbaren Inhalf geben können; der Zionismus sei uns das Surrogat für die jüdische Atmosphäre, "die wir im religiösen Judentum meist nicht mehr finden können und darum ganz entbehren müssen; sei uns ein Ziel für unser jüdisches Wollen, ein Gefäß für unsern jüdischem Inhalt. HerzI hat wohl haum bewußt diese Absicht verfolgt, als er die Idee des politischen Zionismus in die Welt warf, — so hat er ungewollt die große und zunächst wichtigste Aufgabe erfüllt, der westeuropäischen Judenheit, die nach den Kauastrophen des 19. Jahrhunderts planlos irrte und eine neue Form für ihr jüdisches Bewustsein suchte, zu geben, was ihr fehlte; HerzI handelte, da er den Zionismus schuf, wie woh! eisi kluger Feldherr handelt, der einen gefährdeten Posten halten will: er nahm einen Fetzen Tuch an einer hölzernen Stange und Heß ihn dorthin fragen, wo die Reihen sich am stärksten Ikhtei; so brachte er die Weichenden zum Stehen und. gab ihnen! ein Ziel, um daran ihre Beharrlichkeit und ihre Ausdauer zu.stärken. So meine ich es : ein Symbol sei uns der Zionismus für etwas Tieferes, Ernsteres und Innigeres, ja, mn es einmal paradox zu formulieren: wären wir alle sehr feine nrnd empfängliche Menschen, fähig zur Hingabe an ein abstraktes Ideal, zur intensiven Versenkung in eine Idee, trügen wir picht an jener Unzulänglichkeit und jener „Trägheit des Herzeus**, die sich an •den Flug unseres Wollens hängt, so könnten wir uns vielleicht so intensiv in den Oedanken des Jude-Seins versenken, daß wir den Zionismus, die Krücke unseres jüdischen Bewußtseins, als unnötig beiseite werfen könnten. Man verstehe mich recht: ich will mich nicht an den .heiligsten Gütern des B. J. C. vergreifen. Ich bin mir wohl bewußt, daß der Zionismus uns schon mehr geworden ist: die .ganz primitive und urwüchsige Sehnsucht nach eifern jüdischen Hand, die ganz reale Erkenntnis, daß ohne ein territoriales

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