Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (28.4.1913)
- Date
- 1913-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Der Jüdische Student eigenen Persönlichkeit im Dienste der zionistischen Beweguno* verlangt. Ich halte diese puritanische Auffassung unserer Tendenz für einen gefährlichen Rückschritt, und Beispiele wie diese Ehrenwortsaffäre geben mir Recht: ich fürchte für den menschlichen Wert des B J. C.-ers, der nichts ist als die Kreatur seines zionistischen Programms; ich fürchte die Verarmung an menschlichen Werten, die solche Selbstverleugnung im Dienst eines politischen Ziels zur Folge haben muß; ich fürchte die Vcrflachung des inneren Lebens und die Vergröberung der geistigen Arbeit, die das Dogma mit sich bringt, weil es der eigenen geistigen Arbeit enthebt; ich fürchte, die Entnervung und die Entfärbung, die aus der rücksichtslosen Durchsetzung einer Autorität folgen muß, weil sie das Gefühl der eigenen Verantwortung, der eigenen geistigen und sittlichen Autonomie lähmt und erstickt. Kurz, ■— ich fürchte, daß vom B. J. C. schließlich nichts anderes mehr übrig: bleibt, als — ein K. Z. V. Ja, ich will es nur offen gestehn, auf die Gefahr hin, als prähistorisches Monstrum angesehen zu werden: ich wünschte die Wiederherstellung unseres alten Sammelprogramms in voller Glorie, ich wünschte mich zurück in die bunten'und bewegten Zeiten, als der Zionismus noch nicht rocher de bronce im B. J. C. war. Er mutet mich wie eine prophetische Warnung an, wenn .ich in einem alten Jahrgang des J. St. lese: „Ihr verflacht die Bewegung, der ihr ein Programm gebt." Und cum grano salis möchte ich ncch heute jenen berüchtigten " Artikel Siegfried Rosenthals unterschreiben („Die Gefahr" J. St. IV S. 153). Wenn ich es versuche, auch unter den heutigen Verhältnissen diese vorsintflutliche Auffassung unseres Programms zu rechtfertigen, gehe ich am besten von ihrem Gegensatz, dem Programm des K. Z. V. aus. Aeußerlich unterscheidet sich heute die Tendenz des B. J. C. nicht mehr von der des K. Z V. Auch wir dienen dem Zionismus. Unsere grundlegende Erkenntnis ist: Assimilation oder Zionismus — tertium uon datur. Daran will ich in letzter Linie nicht rütteln. Aber wenn zwei dasselbe tun, ist es noch nicht dasselbe: das Motiv des Zionismus ist bei uns ein anderes als im K. Z. V. Dem.. K. Z.V. ist. der Zionismus Selbstzweck, — uns ist er Mittel zum Zweck, zu einem höheren Zweck: Wichtiger als das Judenland in Palästina ist uns das J u d e n 1 a n d im Bewußtsein des Einzelnen. Und sollte ich jemandem in prägnanter Form sagen, was mir das Wesentliche unseres Programms im Gegensatz zu dem des K. Z. V. scheint, so würde ich in Anlehnung an Herzls Wort sagen: Jene wollen die Rückkehr ins Judenland — wir wollen die Rückkehr zum Judentum, wollen sie erreichen durch Arbeit für die Rückkehr ins Judenland. Ein Gleichnis sei mir erlaubt: Uns ist Palästina das, was die