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Der jüdische Student · 1913-04-28 · Heft 1 (28.4.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (28.4.1913)
Date
1913-04-28
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der Jüdische Student 13 Geheimnisses nicht verletzt haben, — eine. Pflicht, die j e d e r v o n ihnen einmal unter Ehrenwort übernommen hat. Ich muß sagen, es war mir sehr schmerzlich, daß dies geschehen ist. Wenn mir sonst im bürgerlichen Leben einer käme und verlangte, ich solle ihm ehren wörtlich versichern, daß ich etwas getan habe, was ich ihm bereits ehrenwörtlich versprochen habe, — wahrhaftig, den Menschen würde ich mir vor die Klinge fordern, wenn im übrigen die Umstände danach angetan wären. Ihr werdet die Achseln zucken und sagen: „Ach, es hat sich keiner etwas dabei gedacht." — Gewiß, es hat niemand etwas dabei gedacht — und gerade das ist das Bedenkliche. Jeder hätte sich sagen müssen: Nur ich allein bin dazu berufen, zu entscheiden, wem ich mein Ehrenwort geben will, und das Recht zu dieser Entscheidung muß mir unangetastet bleiben. Jeder hätte diese Aufoktroyierung eines Ehrenworts als einen Eingriff in' seine eigensten und intimsten Angelegenheiten, als unerträgliche Unterdrückung seiner Individualität empfinden müssen. Das aber ist leider nicht geschehen. Und am allerwenigsten hat sich unser Präsidium etwas dabei gedacht; denn sonst hätte es sofort bemerken müssen, daß solche Maßregel natürlich weit außerhalb des Rahmens seiner Kompetenz liegt. Und gerade dadurch, daß keiner sich etwas dabei gedacht und jeder unbedenklich in einer so delikaten Angelegenheit auf das Recht individueller Selbstbestimmung verzichtet hat, erhält dieser Vorfall seine prinzipielle und symptomatische Bedeutung, ohne die er als Mißgriff eines Unberufenen angesehen werden könnte und ganlicht besprochen zu werden verdiente: ich sehe nämlich in diesem Vorkommnis nichts anderes, als einen Beweis dafür, daß die „Politisierung" des B. J. C. schon in einer unheilvollen Weise um sich gegriffen hat und einen gesunden und fruchtbaren Individualismus im B. J. C. zu ersticken, seinen Trägern den Boden bei uns zu entziehen droht. So etwas konnte nur in einer Generation von B. J. C.-ern vorkommen, die tief durchsetzt ist von jener scharfmacherischen und nivellierenden Tendenz Blumenfeldscher Observanz, die aus dem B.J. C. nichts anderes machen will, als eine Phalanx uniformer Soldaten im Dienste der zionistischen Parteipolitik. Diese Maßregel konnte nur diktiert werden von der überhebungsvollen Empfindung, nicht mehr iMenschen vor sich zu haben, deren jeder sich als Herr in einer letzten und geheimen Sphäre seines inneren Lebens fühlt, sondern Schablonen, die in blinder Parteidisziplin zu einer farblosen und unterschiedslosen Masse verschmolzen sind. Diese Maßregel ist unmittelbar geboren aus jener Auffassung unseres Programms, die Enthaltung von allen individualistischen Tendenzen predigt und Unterdrückung und Verleugnung der

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