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Der jüdische Student · 1913-04-28 · Heft 1 (28.4.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 1 (28.4.1913)
Date
1913-04-28
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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12 Der Jüdische Student Daran haben anscheinend wenige im B. J. C. Anstoß oCnonimen. Und doch stehe ich nicht an, diesen Vorfall als ein Signum pessimi ominis anzusehen und daraus recht ernste Schlüsse zu ziehen. Ich muß zuvor einiges über das Wesen des Ehrenworts rekapitulieren, da vielleicht bei manchen dieser Begriff durch häufigen Gebrauch ein wenig von seiner Prägung eingebüßt hat: Wesentlich scheint mir für das Ehrenwort in erster Linie das Verhältnis der beiden Beteiligten zu sein. Nicht allein die Wahrheit der zu erhärtenden Erklärung ist Voraussetzung für die Bekräftigung durch Ehrenwort; ein gewissenhafter Beurteiler wird vielmehr die weit wesentlichere Voraussetzung darin erblicken, daß zwischen dem, der die Erklärung abgibt, und dem, an den sie gerichtet ist, gewisse persönliche Beziehungen zartester und vertraulichster Natur bestehen. Gerade durch sie, gerade dadurch, daß die Erklärung unter Ehrenwort ein Appell an das enge Verbundensein der Beteiligten ist, erhält ..sie ja erst ihren solennen Charakter. Das bedarf kaum einer Begründung: wenn einer es mit seinem schlichten Manneswort nicht genug sein läßt, sondern obendrein als Pfand für die Wahrheit seines Wortes die Ehre einsetzt, so liegt darin das Zugeständnis, daß ihm sehr viel darum zu tun ist, bei dem andern Glauben und Vertrauen zu finden •— also ein Bekenntnis der Zuneigung oder Achtung, das abzulegen gewiß nicht jedermanns Sache ist. Ja, noch mehr es liegt eine Unterordnung, eine Demütigung und Hintansetzung des eigenen Stolzes darin, wenn ich einem Andern mein Ehrenwort gebe; denn indem ich an das Vertrauen appelliere, das ich von dem Andern erwarte, mache ich ihn zugleich zum Richter über mich, räume ihm ein Recht ein, über meine menschlichen Qualitäten zu urteilen und mir danach Vertrauen zu gewähren oder zu versagen, und diesem Urteil unterwerfe ich mich auf Gnade und Ungnade. Kurz, -— ich werde aus diesen Gründen mein Ehrenwort nur solchen Menschen geben,, denen gegenüber mir tiefste" persönliche Harmonie die Gewähr dafür gibt, daß ich mich nicht erniedrige, wenn ich-demütig vor ihnen bin. Dies ungefähr mögen die Gründe sein, weshalb man gemeiniglich das Ehrenwort als ein „heiliges" Gut und die Häufigkeit seines Gebrauchs als einen zuverlässigen Gradmesser für die persönliche Würde ansieht. Ein Mensch von gehobenem Selbstgefühl und ausgeprägtem Bewußtsein seiner selbst, ein Mensch, der sich des in Ihm zum Ausdruck gekommenen „Gedankens Gottes" und der damit verbundenen Verantwortung voll bewußt ist, wird sein Ehrenwort nur in sehr ernsten Stunden abgeben. Im Bunde Jüdischer Corporationen aber zirkulieren Blätter — 700 gedruckte Blätter, auf denen die Mitglieder einander unter Ehrenwort versichern, daß sie die Pflicht zur.Wahrung des J. St.-

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