Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (28.4.1913)
- Date
- 1913-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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10 Der Jüdisrhe Student sein, besonders Leibfüxen, aber auch jedem nicht leibverwandten Bundesbruder das wichtigste Rüstzeug mitzugeben, das wir besitzen, das Pflichtgefühl in jüdischen Dingen; sie könnten die Erstchargierten sein, die in den Verein den Zug hineinbrin^x-ii' der Vorbedingung dafür ist, daß jüdisches Leben pulsiert.' ' Daß wir zu wenig dieser Jungen in unseren Reihen haben ist ein großer Mißstand, und ihn zu beseitigen, eine unserer 'nächsten wichtigen Aufgaben. Es wird das natürlich nicht von heute auf morgen gehen, aber wir werden unser Augenmerk darauf richten müssen, daß wir allmählich in ihre Kreise eindringen. Es wird das auch keineswegs leicht sein; denn wir haben schon den Ruf, und jeder Junge, der zu uns kommf, merkt es,' daß wir uns aus den Kreisen kleinerer jüdisener Familien rekrutieren. Eine Vorbedingung ist aber die, daß wir die Kreise, in die wir hineindringen wollen, nicht fortgesetzt vor den Kopf stoßen, und uns nicht so häufig blamieren. Wir sollen gewiß den Kampf gegen Assimilation und Zentralverein energisch führen; mit solchen Affären wie die von Schlüchterer, vom Kölner Kommerse, von München und von Breslau, und wie sie alle heißen, verwunden wir aber nicht die anderen, sondern uns. Neben die Forderung, in die anderen Kreise hineinzudringen, muß ich aber noch eine zweite stellen, deren Erfüllung mir zur Konsolidierung unserer Vereine erforderlich scheint. So brutal es klingen mag, ich muß Euch bitten, liebe K. V. K. V., mehr Bundesbrüder herauszuschmeißen, oder menschlicher ausgedrückt^ bei der Burschung, Inaktivierimg, A. ll.-ierimg mehr zu sichten. Wir sollen aus den oben erwähnten Gründen bei der Aufnahme nicht zu streng vorgehen und jeden aufnehmen, der aus guter Familie ist und"bei dem uns eine Entwicklung nicht ausgeschlossen erscheint. Um so strenger müssen war aber bei den späteren Personalveranderungen sein, wenn sich herausstellt, daß die erforderliche Entwicklung nicht eingetreten ist. Für jeden A. H. übernehmen wir eine Garantie; um so energischer müssen wir jedem auf die Finger sehen, und dürfen keinen weiter bei uns dulden, auf den wir uns nicht in jeder Beziehung verlassen können. Und auch darauf ist zu achten, ob ein zu inaktivierender oder zu A. H.-ierender Bundesbruder gerade zu dem betreffenden IC V. in Beziehungen steht. Sonst müssen natürlich alle Bemühungen zur Einheitlichkeit und Geschlossenheit zunichte werden. Was in diesen Beziehungen gesündigt wird, spottet jeder Beschreibung. Leute, die nie hätten geburscht werden dürfen, werden A. H.; Bundesbrüder, die das Semester zuvor in den K. V. gekommen sind, inaktiviert. Ich habe eine ganze'Reihe sonst gar nicht dummer Bundesbrüder gesprochen, denen es nicht klar zu machen war, daß ein regelmäßiger Besuch der Vereinsveranstaltungen noch kein Grund zur In-